Psychisch stigmatisierte Traumata

Endlich dürfen Angehörige der Eutanasieopfer des 3. Reiches über ihre vererbten Traumata berichten und die Schicksale ihrer Familien aufarbeiten.. Die Stigmatisierung der 1940 in Heil- und Tötungsanstalten deportierten Deutschen kann zum 75. Gedenktag des Endes 2. Weltkrieges am 8.5.2015 aufgehoben werden. Hunderttausende psychisch Kranke und Behinderte waren von den Nazis getötet worden. Der kalkulierte Massenmord in der NS-Zeit zeugt von dramatischen Einzelschicksalen, die von vielen Familien bis heute als Familiengeheimnisse verschwiegen wurden. Wie verarbeiten deutsche Familien ein 75 Jahre altes Trauma, das bis in die Gegenwart reicht? Man sprach nicht über die getöteten Väter, Mütter, Grosseltern aber psychologisch rissen die Verlusttraumen grosse Wunden. Man sprach nicht über die psychischen Erkrankungen, die womöglich bis heute in den Familien wüten: Schizophrenie, Depression, Psychose, etc. Diese psychischen Krankheiten galten als Makel. Man hatte das nicht. Und 2015 negiert man diese psychischen Krankheiten nach wie vor. Aus vererbter Angst? Noch heute haben Angehörige Schwierigkeiten, offen über psychische Familienleiden zu sprechen. Sie verdrängen und haben jahrzehntelang Schuldgefühle. Aber sie wollen ihren getöteten Familienmitgliedern nahe sein und einen Platz in ihrem Gedächtnis einräumen. Mit einer neuen Transparenz und Offenheit! Vorbildlich!

Psychopatische schizophrene Kriegsmutter

Neueste wissenschaftliche Studien des Fachmagazins NERVENARZT legen den Verdacht nahe, dass Schizophrenie in Deutschland weit häufiger auftritt als bisher angenommen. Bisher war man davon ausgegangen, dass das Risiko, an einer schizophrenen Psychose zu erkranken, bei etwa einem Prozent liegt. Aber so selten wie angenommen, sind deutsche Familien von dieser Krankheit gar nicht betroffen. 2015 wird von ca. 6 % der Bevölkerung und zunehmend von einer Erkrankung im Teenageralter VERY EARLY ONSET und EARLY ONSET ausgegangen. Die Ausheilungsquote beträgt nur 20-30 Prozent, die sozialen und gesundheitspolitischen Konsequenzen sind gravierend. Die Menschen in unserer deutschen Gesellschaft, die Stimmen hören und Geister sehen, manisch depressiv reagieren, an Leistungseinbussen oder Stimmungslabilität leiden, hyperaktiv sind, Wahrnehmungsstörungen und Denkblockaden haben könnten vielleicht geheilt werden, wenn der Zusammenhang zu ihrem vererbten Trauma hergestellt werden könnte, das bis in die Kriegsgeneration ihrer eigenen Familie reicht. Schlimm für diejenigen, die bei einer psychopatisch schizophrenen Kriegsmutter aufwuchsen!

ZÄH WIE LEDER – HART WIE KRUPPSTAHL

Die Generation der 1920-1950 Geborenen hatte traumatische Kriegs- und Nachkriegserfahrungen durch Flucht, Hunger, Bombenterror oder Verlust von Familienmitgliedern. Viele sassen jahrelang mit täglichen Todesängsten im Luftschutzbunker, andere sind auf der Flucht vergewaltigt worden oder haben insbesondere im sowjetischen Militärsektor bis 1950 täglich mit Wahnvorstellungen von Brot hungern müssen. Den Kindern wurde von den wenig einfühlsamen Eltern kommuniziert: ANDERE HABEN ES IM KRIEG VIEL SCHLIMMER GEHABT! SEI FROH, DASS DU NOCH LEBST! VERGISS DAS ALLES! NIMM DICH NICHT SO WICHTIG! ZÄH WIE LEDER- HART WIE KRUPPSTAHL!

Im Alter leiden die damaligen Kriegskinder an chronischen Krankheiten wie Depression, Psychose, Schizophrenie, Alkoholsucht. Aber seltsamerweise können oder wollen sie sich nicht mehr an ihre Kindheitstraumatisierungen erinnern. Das schlechte Gedächtnis hängt damit zusammen, dass diese Menschen als Kind von ihrer Mutter aufgefordert wurden, das Erlebte zu vergessen. Der nachhaltige psychologische Einfluss der Mutter oder des Vaters ist dabei nicht zu unterschätzen.

Die Wahrnehmung von Traumata und das Erleiden einer posttraumatischen Belastungsstörung können nur von Ärzten, Psychologen und Psychosomatikern in ein klinisches Bild übersetzt werden, wenn die Betroffenen ihr Erlebtes verarbeiten wollen. Ist dies aber seit Kindheit im Unterbewusstsein eingemauert, ist eine Gesundung unmöglich und eine Demenz vorprogrammiert. Derart Betroffene verleugnen meist bis zum Tode ihren Traumazustand und entfremden sich im Prozess des vererbten Traumas ohne Therapie dadurch von ihrer Familie.

Innovation in der Demenzmedizin

Der Umgang mit Demenzkranken ist seit Jahren von Mutlosigkeit geprägt. In der aktuellen Tagung der Wissenschaften in Düsseldorf wird die Ethik der Behandlung dieser Patientengruppe thematisiert. Sicherheit und Kontrolle gingen nach wie vor zu Lasten von Autonomie und Lebensqualität. Am Beispiel einer schizophrenen Psychose 2014 werden Zustände geschildert, die an die siebziger Jahre erinnern. Diese stigmatisierten Patienten seien hoffnungslos, man könne nichts für sie tun, sie bekämen nicht mehr mit, was mit ihnen geschehe. Schwere Hospitalisierungsschäden waren insbesondere durch eine Tablettenmedikation die Folge. Unter Einbeziehung des vererbten Traumas können diese erkrankten Menschen in einem neuen Licht gesehen werden. Einige Demenzforscher plädieren deshalb für eine neue Form der Verwahrpsychatrie. Beim Schicksal der Demenzpatienten soll ein Perspektivenwechsel erfolgen. Es bestehe die Möglichkeit, das Fortschreiten von Demenzerkrankungen ohne Psychopharmaka, Neuroleptika und Fixierung um mindestens 5 Jahre zu verzögern, wenn man das vererbte Trauma der jeweiligen deutschen Familie entschlüsselt. Damit würde die Zahl der Erkrankten um die Hälfte reduziert. Ein positiver Hoffnungsschimmer!

Wenn die Mutter bloss lieben könnte

Nach dem grossen Erfolg des Traumaromanes DIE MITTAGSFRAU erzählt Julia Franck als Gewinnerin des deutschen Buchpreises in einem weiteren Werk eine deutsche Familiengeschichte  des vererbten Traumas der 50er und 60er Jahre. RÜCKEN AN RÜCKEN publiziert in ergreifender Weise, wie zwei traumarisierte Kinder der 2. Generation sich ihre eigene Welt aus Aufmerksamkeit und Liebe im Nachkriegsdeutschland erfinden. In der Realität erleiden sie sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung, psychische und physische Gewalt, extreme Lebensangst. Sie tun alles, um geliebt zu werden: putzen, hungern, flüchten. Das Nähkästchen der Mutter täglich aufräumen. Aber der Leser spürt ihre Wertlosigkeit in den Augen der narzisstischen Erziehungsberechtigten Die zehnjahre alten Kinder fühlen überfordernde Schuld und sind doch schuldlos. Ihre grausame Mutter bezeichnet sie im Nachkriegsdeutschland als Rassenschande. Sie verdächtigt sie der Lüge. Die Mutter entwertet durch stigmatisierende diffarmierende Schimpfwörter wie KLEINE ELSTER, PUTZTEUFEL. Die Themen der Vaterlosigkeit werden im Roman zentral herausgearbeitet. Die Kinder erfinden sich ihren Vater, obwohl sie ihn nie kennenlernen konnten. Sie lieben ihre ausgedachten Welten und befinden sich am Rande der Schizophrenie. Vor den Zugriffen ihrer Umgebung finden sie keinen Schutz.

Ein wichtiger deutscher Roman für Familien, die vom vererbten Trauma tangiert sind und sich mit anderen Betroffenen identifizieren wollen.

Epigenetische Forschungsergebnisse im vererbten Trauma

Die global agierende Hirnforscherin und Neuroepigenetikerin Isabelle Mansuy forscht auf dem Campus Irchel der Universität Zürich zum vererbten Trauma. Nachdem das menschliche Genom entschlüsselt wurde, werden ihre wissenschaftliche Ergebnisse globalisiert diskutiert. . Durch das Lesen des genetischen Codes konnten Rückschlüsse auf das vererbte Trauma gezogen werden. Diese Erkenntnis geht über das berühmte Mausmodell hinaus, das das Vererben von Traumata an Tieren nachweist. Denn die Genome von Mensch und Maus sind unterschiedlich.

Ihre Forschungsergebnisse zum vererbten Trauma sind begeisternd. Mansuy weist nach 15 Jahren Forschung epigenetisch nach, dass bei Erkennen des vererbten Traumas das eigene Leben geändert werden kann. Andere Forscher aus Baltimore und der TU München zeigen die Entschlüsselung aller menschlicher 18 000 Proteine aus 30 Zelltypen. Und zwar im Innersten des Körpers. Die Epigenetik weist nach, dass der Mensch keine Konstante ist. Unser Erbgut ist nicht statisch. Neue Proteine entstehen, nicht benötigte Gene werden stillgelegt. Unser Tun und unsere Erfahrungen setzen sich im Erbgut fest. Über die konkreten molekularen Mechanismen wird weiter geforscht. Die Neuroepigenetikerin ist überzeugt, dass wir mit gewissen Genen geboren wurden und deren Wirken selber beeinflussen können.

Frau Mansuy will mit ihren Forschungsergebnissen psychisch kranken Menschen helfen. Die Zahl derer, die wegen Depression, Angststörung Schizophrenie, Sucht, Magersucht, Adipositas, Bipolare Störung Borderline, Bulemie oder Sucht Hilfe sucht, nimmt zu. Fast jeder ist im Laufe seines Lebens einmal von einer Angstkrankheit betroffen. Vor allem junge Menschen der 4. Generation trifft es immer öfter. Eine Stigmatisierung im vererbten Trauma wird verhindert. Es gibt Hoffnung für die Gesundheit der deutschen Menschen, die hilflos vom vererbten Trauma tangiert wurden!

Psychatrie im 3. Reich und heute

Im 3. Reich mutierten Kliniken zu Mordanstalten. 400.000 Deutsche wurden einer mutmasslichen Schizophrenieerkrankung bezichtigt und eingesperrt. Die meisten von ihnen wurden systematisch in KZs getötet. Die Aktion T4 vergaste in einer ersten Tötungswelle 1940-1941 100.000 psychisch Kranke. Die Opfer des nazionalsozialistischen Eutanasieprogrammes waren in vielen deutschen Familien zu finden. Die  deutsche Psychiatrie erscheint historisch belastet. Unter dem Deckmantel der Kliniken vollzigen fanatische Naziärzte medizinische Verbrechen und Zwangssterilisationen. Die rassenhygienischen Ideen im 3. Reich belasteten viele deutsche Familien schwer.

Noch heute ist das Thema Schizophrenie in Deutschland stigmatisiert. Als Familiengeheimnis wird es bis in den Tod gewahrt. Erstaunlich, dass mehr als 70 Jahre psychiatrische Leiden nicht offen gelegt werden. Der Gang zum Psychologen oder Psychiater wird verheimlicht. Dabei ist es in Amerika üblich, dass man sich von diesen Dienstleistern durch das Leben begleiten lässt. Beim Thema Schizophrenie herrscht in Deutschland immer noch Angst und Schweigen.

Messieschutzwälle gegen die Angst

Anfang November 2013 werden 1500 verschollene Kunstmeisterwerke im Wert von 1 Milliarde Euro in München entdeckt. Picasso, Matisse, Chagal, Marc, Nolde, Beckmann lagerten in einer Messiewohnung zwischen gammeligen Lebensmitteln und uralten Konservendosen. Ein 1933 geborener Nazi-Schatz-Messi stammt aus einer deutschen Kunstexpertenfamilie. Diese hatte als Verwerter Hitlers jüdische Sammler ihrer entarteten Kunst enteignet.

Psychologisch versuchen Messies, Löcher in ihrer Seele zu stopfen und horten wahllos. Nach Schätzungen leben rund 2 Millionen Menschen mit Messie Syndrom in Deutschland, egal ob sie arm, reich, jung oder alt sind. Das Chaos in der Wohnung und im Gehirn stellt eine psychische Krankheit dar. Die Erkrankung betrifft hauptsächlich kriegstraumatisierte Senioren. In den letzten Jahren hat sich dieses Messietrauma zunehmend vererbt. Viele Betroffene sind zwischen 40 und 50 Jahren alt. 80% der Messies sind Frauen. Die Ausartung des Sammelzwanges wird auch Vermüllungssyndrom genannt und betrifft Patienten, die an Demenz, Borderline oder der Persönlichkeitsstörung Schizophrenie erkrankt sind. Das Kriegstrauma erscheint die Betroffenen bzw. Familien besonders stark in Mitleidenschaft gezogen zu haben. Frühkindliche traumatische Verlusterlebnisse, Bindungsstörungen und kritische Lebensereignisse bei Bombenterror, Vertreibung, Verfolgung, etc. sind Ursachen. Zeitlebens herrscht ein inneres Chaos, das sich aufgrund seiner Schwere auch äusserlich bemerkbar macht. Die Entmüllung der Wohnung führt zu angstbesetzten Panikreaktionen. Zwangsstörungen existieren durch die emotionale Bindung zu Gegenständen. Oftmals sind Messies auch von Sucht betroffen. Kontrollverlust und Abstinenzunfähigkeit bestimmen ihr Leben. Depression ist dabei nur eine Nebenproblematik. Die deutschen Schriftsteller Herrad Schenk und Rainer Rehberger beschäftigen sich mit diesem Krankheitsbild.

Es scheint, als ob Messies vollkommen von Kriegstraumata überrollt wurden und unheilbar erkrankten. Sie errichten Schutzwälle gegen ihre Angst. Und leben einsam unter Müll. Im vorliegenden Fall ist nicht klar, ob der Messie aus München den unglaublich hohen Wert seiner Gemälde mit seinem 80 Jahre alten Hirn noch abschätzen konnte.

 

 

 

Wenn die Kindheit im Krieg kein sicherer Hafen war……

……dann kann einem Menschen ein Leben lang jene psychische Sicherheit fehlen, die Voraussetzung der individuellen Gesundheit und der Lebensfreude ist. Die ersten drei Lebensjahre sind entscheidend, sagen Psychologen. Macht ein Kind in dieser Zeitspanne Vertreibung, Vergewaltigung, Bombenterror und Kriegsangst mit oder erlebt es positive Erfahrungen mit seinen Bezugspersonen, dann entwickelt es entweder eine sichere Bindung oder erkrankt nachhaltig – beispielsweise an Schizophrenie. Hauptrisikofaktor erscheint neben dem Erleben von Traumata das emotionale Ignorieren, die Ablehnung, die Abwertung, der Missbrauch und Bindungsverlust durch engste Familienmitglieder zu sein. Hier spielt der Vater eine wissenschaftlich nachweisbare grosse Rolle. Medizinische Studien beweisen, dass die Erkrankung erblich sein kann. Jedes dreissigste Kind in Deutschland hat eine psychisch kranke Mutter in schweren seelischen Krisen. Viele Kinder kriegstraumatisierter Familien wachsen in sehr belasteten Lebenssituationen auf und viele entwickeln ihrerseits psychische Probleme.  Diese leben nachhaltig in Angst vor Wiederholung, selbst an Schizophrenie zu erkranken, da ihre Familienmitglieder per Projektion ihre Erkrankung an sie weiterinterpretieren. Keine leichte Lebenssituation!

Traumatische Kindheitserfahrungen haben nicht zwangsweise Langzeitwirkung. In bestimmten Kriegsjahren mag es Menschenauf dem Lande ausserhalb der Metropolen gelungen sein, sich der negativen psychischen Mitgift der Eltern oder den Gefahren des 2. Weltkriegs zu entziehen. Dann kann dem Leid der ersten Jahre die Macht genommen werden. Von einem unsicherern Kind, das Ignoranz und Misshandlung erleiden musste, kann ein selbstsicherer Erwachsener werden, der das Kriegstrauma nicht an weitere Generationen weiterreicht. Aber die Menschen mit dieser Ressilienz scheinen eine deutsche Minderheit darzustellen. Wenn Kriegswunden vernarben und Menschen im Inneren sicher sind, wertvoll zu sein, ist eine psychische Krankheit unwahrscheinlich.

Schizophrenie

Es scheint keine deutsche Familie zu geben, die nicht irgendwie traumatisiert erscheint. Die Schizophremie als Sammelbecken verschiedener Krankheiten wird in vielen als Familiengeheimnis gewahrt. Gibt es mehr betroffene Menschen als die statistischen 1% der Deutschen? Kommt diese Tendenz aus hohen Belastungen des 1. und 2. Weltkrieges? Liegt ein Bindungstrauma vor? Wie kann Projektion auf heutige Generationen erkannt und verhindert werden?