Scheidung tut weh

Die Scheidung der Eltern schmerzt Kinder jeden Alters. So leiden auch erwachsene Kinder unter der Scheidung ihrer Eltern, die 40 Jahre lang verheiratet waren. Sind die Trennungskinder 5 Jahre oder 45 Jahre alt, wird ihr Weltbild ins Wanken gebracht.

Viele deutsche Familien sehen jedoch ihre Trennung als Chance. Es kann Wut, Zerrissenheit und Trauer entstehen, die Eltern jahrzehntelang streiten zu sehen. Die Kriegsgeneration der 1930-1945 Geborenen bleiben bis in den Tod zusammen und belasten durch Dauerstreit ihre Angehörigen. Viele bleiben der Kinder wegen in der Ehehölle. Wollen die Kinder diese Zustände überhaupt? Müssen erwachsene Kinder ihre Eltern unterstützen? Müssen sie sich in Streit oder Scheidung hineinziehen lassen? Oder dürfen sie auf ihre eigene Gesundheit achten? Wie sind Kinder mehr traurig, zerrissen, belastet – mit streitenden oder geschiedenen Eltern? Bei vielen deutschen Familien ist die Scheidung vererbtes Trauma. Die Eltern haben sich scheiden lassen, man selbst ebenfalls, die eigenen Kinder sind vielleicht auch nicht beziehungsfähig. Wie kann dieser Zyklus im vererbten Trauma zu einem positiven Ende gebracht werden?

Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Erfreulicherweise werden 70 Jahre nach Kriegsende viele Bücher zum vererbten Trauma publiziert. Besondere Aufmerksamkeit verdient der im März 2014 erschienene Roman SIEBEN SPRÜNGE VOM RAND DER WELT von ULRIKE DRAESNER. Die deutsche Kernautorin schildert vier Generationen im vererbten Trauma: Vertreibung, Flucht, Gefangenschaft, Bombenangriffe, Hunger und Tod im 2. Weltkrieg.

Vererbte Angst wird am Beispiel des Schnees anschaulich geschildert. Der Vater 2. Generation war als Kind auf der Flucht mit den Eltern durch verschneite Wälder geflohen. Seine Tochter Jahrgang 1962 hatte sich erst ihre panische Angst vor Schnee nicht erklären können. Bis sie merkte, dass die Vertriebenenkatastrophe des Vaters zur Neurose der Tochter geworden war.

Die Bindungsprobleme der 3. Generation schildert der Roman als vererbt. Eine Ehe, die dahindümpelt.

Die Autorin schildert die Relevanz des Gehirns im mehrgenerationalen vererbten Trauma. Dabei bemüht sie die Affenforschung und baut Erkenntnisse geschickt ein.

Der Roman ist die Geschichte zweier 1945 vertriebenen Familien. Geflohen bei eisigen Temperaturen und mit durchweichten Pappkoffern. Die Familien definierten einen genetischen Vertriebenencode ICH BIN ENTRONNEN! ICH HABE SO VIEL GLÜCK GEHABT! WIE GUT ES DIR GEHT! Hört deshalb die 3. Generation im Wirtschaftswunder von der 2. Generation. Und aufgrund des vererbten Traumas dominieren die Neurosen und Krankheiten um so heftiger.

 

 

Wir wollen lieben, aber wir wissen nicht wie

Kriegsenkel versuchen ein Leben lang, ihre eigene Identität zu entwickeln. Dabei erkennen wir uns nicht im Alleinsein. Es gilt die Regel DIE WAHRHEIT BEGINNT ZU ZWEIT.

Wie wollen Kriegsenkel wissen, was Liebe ist, wenn sie von keiner einzigen Bezugsperson ihrer Familie aufgrund des vererbten Traumas Liebe erhielten? Wie können Kriegsenkel ihre beziehungsbezogenen Ängste überwinden?

Wir leben in unserer persönlichen Realität. Unsere Wirklichkeit ist unsere Wahrheit. Der Partner lebt jedoch in seiner eigenen Wahrheit. Viele Partnerdialoge sind daher wechselseitige Missverständnisse. Beziehung ist immer währende individuelle Entwicklung. Was ist, wenn einer der Partner sich rasant fortentwickelt, weil er sich beispielsweise mit dem vererbten Trauma auseinandersetzt? Und der andere Partner macht seine Hausaufgaben nicht? Endet das automatisch in Scheidung, weil Entwicklung keine Sicherheit kennt? Fühlen wir dann Hass als Enttäuschungsform der Liebe? Ist der Partner verantwortlich für die Liebe in meinem  Leben oder bin ich das selber?

DIE LIEBE IST DAS KIND DER FREIHEIT, schreibt Michael Lukas Moeller in seinem gleichnamigen Buch. Die Liebe ist eine beziehungsstiftende Urkraft. Sie kommt von selbst, wenn wir sie lassen.

ALLES IST MEINE SCHULD!

Wie wirkte sich das Schweigen der Kriegstraumatisierten auf deren Kinder bzw. Kriegsenkel aus? Welche Auswirkungen hatte diese perverse Kommunikation als Illusion von Kommunikation in der deutschen Familie?

Die unmittelbare Kommunikation verweigerte die 1. und 2. Kriegsgeneration ihren Angehörigen über Jahrzehnte. Direkten Fragen zu Kriegserlebnissen als Soldat in Russland oder bei der Vertreibung aus den Ostgebieten wichen sie aus. Das Unausgesprochene, die absichtlichen Auslassungen, ein Achselzucken, ein Seufzer erzeugten besonders bei ihren Kindern Angst. Das Schweigen führte in manchen Familien zu fehlenden Diskussionen, der Weigerung, gemeinsame Lösungen zu Lebensfragen zu finden.

Ein als SS Offizier im 2. Weltkrieg dienender Vater Jahrgang 1930 kommt mit der Pubertät seines 1960 geborenen Sohnes nicht zurecht. Wenn sich der Jugendliche seiner Meinung nach fehlerhaft verhält, straft ihn der Vater mit wochenlangem Schweigen. Er ignoriert die Kommunikationsversuche seines Kindes, das er zum Opfer macht.Er verhält sich, als ob sein Sohn gar nicht existiert. Das Kind empfindet eine kalte entfremdende Feindseligkeit. In der wichtigen Zeit der Adoleszenz beginnt der Sohn an seinen Meinungen und Empfindungen zu zweifeln. Er fragt sich: Was habe ich meinem Vater getan, dass er mich so ignoriert? Welchen konkreten Vorwurf macht er mir?

Ein weiblicher Babyboomer wird von einer kriegstraumatisierten Mutter Jahrgang 1940 erzogen. Im Umgang mit der Tochter ist ihre Stimme kalt, schneidend, boshaft, ausdruckslos. Benötigt das Kind Hilfe bei Angstträumen oder Verletzungen, so zeigt sie keinerlei Mitgefühl, ihre Stimme lässt die Tochter gefrieren. Im Familienverbund zeigt sie ihr gegenüber Geringschätzung, Demütigung, Sarkasmus, Verachtung und Spott und gibt ihrem Kind einen Spitznamen wie die Dicke, der Faulpelz, etc. Die Tochter, die Opfer ihrer narzisstischen Mutter ist, empfindet Bedrohung. Sie fühlt sich schuldig. In ihrer Herrschsucht lügt die Mutter und bezichtigt die Tochter, Fehler zu begehen. Eine perverse Kommunikation, der sich das Kind nicht entziehen kann.

In beiden Fällen liegt ein vererbtes Trauma vor. Beide Opfer verlieren ihre individuelle Identität. Sie wissen im Erwachsenenalter nicht mehr, was recht und was unrecht ist. Sehr wahrscheinlich wählen sie einen Ehepartner, der sie ebenso geringschätzend und psychisch krank behandelt wie ihre Elternteile. Sehr wahrscheinlich scheitert jede der Ehen aufgrund kalter Feindseligkeiten. Die Art der Kommunikationserlebnisse in der Kindheit kopieren sich in die Partnerschaften. Sowohl die tiefe Schweigsamkeit, als auch die Entwertungen. Perverse kriegsbelastende Kommunikation führt zu einer Verlagerung der SCHULD. Dank des Phänomens der Übertragung wird die gesamte Kriegsschuld dem kindlichen bzw. jugendlichen Opfer aufgebürdet. Beide Opfer übernehmen aus psychischen Gründen die Schuld bereitwillig und unbewusst. ALLES IST MEINE SCHULD! In ihrem jeweiligen Familienverbund haben sie zeitlebens die Rolle des Schuldigen. Sogar als Erwachsene lassen sie sich für diverse Themen als Schuldigen identifizieren. Lehnen sie diese Familienrolle ab, werden sie aus dem Familienverbund ausgeschlossen.

DER VATER|DIE MUTTER, DIE NUR STEINE SIEHT, WEISS NICHTS VOM REICHTUM DES KINDERHERZENS!

 

 

 

Mischt man Gift zur Butter, ist es für die Schwiegermutter!

Wie viel Schwiegermutter steckt in vererbtem Trauma? Warum sprach man im Nachkriegsdeutschland von Schwiegermutterstuhl und Schwiegermuttergift  oder Schwiegermonster? Was hilft im Umgang mit bösen Schwiegermüttern? Handelt es sich um ein mehrgenerationales Problem? Geht manchen Menschen die Nächstenliebe abhanden in Bezug auf ihre traumatisierte Schwiegermutter? Können Schwiegermütter lieben? Spielen Schwiegermütter immer noch Kriegsspielchen? Sind viele solcher Schwiegermütter narzisstisch?

Deutsche Studien belegen eine hohe Unzufriedenheit mit kriegstraumatisierten Schwiegermüttern. 95% beklagen sich über Überwachung und Bevormundung. Gefolgt von persönlicher Ablehnung und übler Nachrede. 78% der befragten Deutschen kritisieren die Einmischung in die Kindererziehung. Über die Hälfte kommen nicht zurecht mit Eifersucht der Schwiegermutter, Dreinreden in die Haushaltsführung und Mobbing. Der Stress mit den traumatisierten Schwiegermüttern gleicht einem Kriegsgemetzel. Insbesondere wenn die Schwiegermutter ein komplexbeladenes Hausmütterchen ist.

Auf diese Weise kann die deutsche Scheidungsrate steigen. Insbesondere wenn der Ehemann seine Ehefrau nicht vor der traumatisierten Schwiegermutter in Schutz nimmt. Der Kampf um Macht gleicht dann dem Kampf im 2. Weltkrieg. Keine nachhaltigen Deeskalationsstrategien in Sicht. Viele Männer sind machtlos, wenn es um ihre Mutter geht. Sie wollen endlich geliebt werden und wollen ihrer Mutter jahrzehntelang alles recht machen. Und werden oftmals von ihrer erschütterten Frau und den Kindern verlassen.

Meist hat – wenn 2 sich scheiden – einer etwas mehr zu leiden (Wilhelm Busch)!

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Die deutsche Scheidungsquote im Jahr 2012 beträgt fast 50%. 1960 hatte sie noch 10%, 1980 und 1990 30% betragen. Warum besteht ein Fachkrächtemangel der Liebe? Warum halten es verheiratete Paare insbesondere der Babyboomergeneration nicht mehr länger mit einander aus? Warum waren Ehepartner der Kriegsgeneration nach Ende des 2. Weltkrieges miteinander leidensfähiger? Warum bleiben sie bis heute im Altersheim in schwierigen Ehen verhaftet, ohne sich scheiden zu lassen? Galt die Ehe damals eher der Existenzsicherung und Familiengründung? Wieviele Scheidungskinder sind seit 1980 betroffen? Welche mehrgenerationalen Belastungen und Familienprozesse spielen sich bei Trennungen oder Eheverbleib ab?

Im Zentrum der Überlegungen steht die LIEBE! Das Trauma der vom 2. Weltkrieg betroffenen hat zu lieblosen schweigenden Eltern geführt. Die vererbte Lieblosigkeit hat viele Kriegsenkel zu Beziehungskrüppeln gemacht. Sie können keine Liebe geben, weil sie diese selbst nicht erfahren durften. Sie können keine Nähe zulassen und sind oft zum 2. und 3. mal verheiratet. Wenn eine Liebesbeziehung nach der anderen zerbricht, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein grundlegendes Problem handelt: Das vererbte Trauma der vererbten Lieblosigkeit. Viele Menschen schleppen fatale Erfahrungen und Verhaltensweisen in ihrem Leben mit, die ihre Partnerwahl negativ beeinflussen. 27% der Deutschen leiden an Neurosen. Sie suchen keinen Partner, der zu ihnen passt, sondern einen, mit dem sie die negativen Erfahrungen mit ihren Eltern bewältigen wollen. Das Beziehungsfundament ist dadurch von Anfang an marode. Wie ihre Familien versuchen diese Menschen, zu heiraten und eine Familie zu gründen, Kinder zu erziehen, wie es ihre Vorfahren taten. Psychologisch sind sie jedoch nicht beziehungsfähig, sie leiden an mangelndem Selbstwertgefühl und wählen einen abweisenden Partner, weil ihre Eltern sie in ihrer Kindheit und Jugend ebenso abweisend behandelten.Viele heiraten auch in einer Protestwahl, um den lieblosen Eltern eins auszuwischen. Diese neurotischen Beziehungsmuster lassen die Scheidungszahlen in Deutschland eskalieren. Psychologen haben herausgefunden, dass sich traumarisierte Menschen stets mit traumatisierten Partnern verbinden. Es handelt sich um zwei Puzzleteile, die 100% passen. Meist ist es ein Traumarisierter mit Suchtproblem, der sich mit einem Traumatisierten mit psychischen Schädigungen wie Angsterkrankungen oder Depression verheiratet. Der eine kann dann seiner (Alkohol)sucht nachgehen, ohne vom Partner zu einem Entzug genötigt zu werden. Der andere geht nicht Gefahr, seine psychische Erkrankung in einer Nervenklinik behandeln lassen zu müssen. Eine WIN-WIN Situation auf den ersten Blick. Für die leiblichen Kinder stellt jedoch diese Familiensituation eine weitere Traumatisierung dar.

Mit steigender beruflicher Qualifizierung der Frauen haben Scheidungen in Deutschland zugenommen. 14 Jahre sind sie im Durchschnitt verheiratet, bevor sie meist die Ehe auflösen und es zum endgültigen Bruch kommt. Vor allem Frauen sind nicht bereit, in stumpf gewordenen Partnerschaften zu verharren, einen alkoholabhängigen, gewaltbereiten Ehemann zu ertragen. Alleinerziehende Eltern und Patchworkfamilien sind auf dem Vormarsch. Die Liebe ist heute die wichtigste Glücksquelle im Leben der modernen Menschen. Sie soll das Leben bereichern und Einsamkeit vertreiben.

Tatsache ist: Ein Mensch kopiert die Ehe seiner Eltern, die ihm vorgelebt wurde und wird. Wenn er sich vom Partner scheiden lässt, dann wirft dies kein gutes Bild auf das Liebes- und Glückspotenzial der Elternbeziehung. Familiäre Prozesse können sich in die weiteren Generationen auswirken, da die eigenen Kinder wiederum ihre spätere Beziehungsfähigkeit unbewusst ableiten. In traumatisierten mehrgenerationalen Familienkonstrukten kann Transparenz zu diesen Zusammenhängen weiteres Unheil abwenden.

 

 

 

Gefühlskälte

Der Jurist und Schriftsteller von Schirach hat in seinen autobiographischen Romanen “Schuld” und “Tabu” von seiner liebesleeren einsamen Kindheit voller erfrorener Gefühle geschrieben. In mehreren seiner Werke spricht er von den Verstrickungen über Generationen hinweg. Sein Großvater diente Hitler in verantwortlicher Position, sodass er in den Nürnberger Prozessen zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Erziehung durch seinen traumatisierten Vater lässt ihn in seiner Jugend seelisch erstarren. Mit 8 Jahren darf er zum ersten Mal am Tisch der Eltern essen. Es gelingt ihm trotz eigener Biographie nicht, Bindungen für längere Zeit nachhaltig aufrecht zu erhalten. Selbst den engsten Familienangehörigen bleibt er trotz hoher Begabung und beruflichem Erfolg unheimlich. Kann er etwas dafür, dass er die Gefühlskälte seiner Jugend auch im Erwachsenenalter nicht abstreifen kann? Welche Verantwortung trifft Eltern und den Großvater. Existiert eine Erbschuld in den Familiengenerationen?

Scheidung

Seit Jahren steigen die deutschen Scheidungszahlen an. Handelt es sich in der heutigen Generation um Beziehungsprobleme durch Symbiosetraumata? Liegt ein Wertewandel in den Familien vor? Wie werden Beziehungen der Zukunft aussehen? Binden sich heutige Jugendliche wieder so nachhaltig eng aneinander wie ihre Grosseltern, die zusammen Kriegstraumata durchstanden?