Vererbte häusliche Gewalt

In Deutschland wurden 2016 mehr als 150.000 weibliche Menschen Opfer häuslicher Gewalt. Bereits im 2. Weltkrieg sowie in der Nachkriegszeit war Gewalt in Familien durch traumatisierte Soldaten der Wehrmacht und SS ein großes Thema. Es geht um Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking. Schon immer waren mehr als 85 % der Opfer Frauen. Und die Opferzahl steigt seit Jahren weiter.  70.000 Frauen erfuhren in ihrer Patnerschaft Körperverletzungen. 25.000 Frauen wurden von ihrem Partner 2016 nachhaltig bedroht. 30.000 Frauen vergewaltigt. 20.000 Frauen gefährlich verletzt. 500 Frauen in ihren Familien getötet. Ein mit überzeugenden Kennzahlen nachgewiesenes vererbtes Trauma, das Großmütter, Mütter und Enkelinnen seit Generationen widerfährt. Eine Schande für Deutschland!

Nazi Paragraf 2017

Im 3. Reich wurden Engelmacherinnen bei Schwangerschaftsabrüchen streng bestraft. Der zugehörige Paragraf 219 a SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH stammt aus einer Zeit, in der sich der Staat ein Kontrollrecht über den Körper seiner Bürger herausnahm. Er geht zurück auf ein Gesetz vom 26. Mai 1933. Die Nazis beanspruchten die Deutungshoheit über den Wert des Lebens. Es wurden möglichst viele arische Soldaten zur Kriegsführung benötigt. Dieses Gesetz gilt bis heute ins Jahr 2017. Untragbare Zustände, die das vererbte Trauma bei deutschen Familien massiv unterstützen. Dieses Gesetz rückt den heutigen Schwangerschaftsabbruch in die Kategorie Straftat. Es existiert seit 1933 kein Recht auf persönliche Selbstbestimmung und legalem Schwangerschaftsabbruch für deutsche Frauen!

Demenzpflege

Etwa 2,86 Millionen Deutsche sind 2017 dement pflegebedürftig. 73 Prozent von Ihnen werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Etwa ein Drittel der Angehörigen hat seine Arbeitszeit reduziert. 44 Prozent arbeiten nicht. Die Pflege gibt den Takt ihres Lebens vor. Rund-um -die Uhr-Betreuung, wenig Zeit für Urlaub und Entspannung, Konflikte mit der Krankenkasse, finanzielle Probleme. Demenzerkrankungen sind häufig Auslöser einer Aggressionsspirale. Die Wesensveränderung der Erkrankten wird zur Belastung und Herausforderung für die pflegenden Familienmitglieder. Die schweigende Generation der 1920-1945 Geborenen hatte ihre Kriegserlebnisse wie Bomben, Flucht und Gewalt ihr Leben lang innerlich verdrängt. Im Demenzstadium kommen die Traumaerlebnisse durch unscheinbare Trigger wieder hoch. So setzt sich das vererbte Trauma psychisch weiter fort.

Jahrgang 1976

Der vererbte Trauma Roman RIMINI erschien 2017. Die Autorin SONJA HEISS schreibt über ihre Generation Jahrgang 1976. Diese Leute wollen es besser machen als ihre Eltern, die Kriegskinder. Aber natürlich scheitern sie aufgrund ihres vererbten Traumas.  Die Menschen Jahrgang 1976 ist eine Generation in Therapie, die jahrzehntelang angestrengt nach dem vollkommenen Leben sucht. Während die Elterngeneration der 1925-1945 Geborenen sich früh damit abgefunden hat, dass nichts vollkommen ist. Ein lesenswertes Buch über die 70er Generation, die ein besseres Leben als die Eltern führen will, aber deren Normen perfekt erfüllen möchte. Ein haltloses selbstzerstörerisches Unterfangen!

Unorthodox

Die jüdisch amerikanische Romanautorin DEBORAH FELDMAN hat 2017 einen spektakulären Besteller UNORTHODOX veröffentlicht. Ihr Urgroßvater war ein uneheliches Kind einer jüdischen Mutter und eines katholischen Geliebten. Seine Eltern lebten zunächst unbehelligt in Sünde in München. Als er später arisiert werden wollte, wurde er im 3. Reich wegen seiner jüdischen Herkunft diskriminiert. Zur Überwindung ihres mehrgenerationalen familiären Traumas kehrte die Autorin, die unter orthodoxen amerikanischen Juden aufwuchs, nach Deutschland zurück. Sie wollte die moralische deutsche Sehnsucht (“Hier will jeder Polizist sein”) sowie den zwanghaften deutschen Charakter live erleben. Ihre Erfahrungen  verarbeitete sie in ihrem lesenswerten Buch zum vererbten Trauma.

Depressionstrauma

Depressionen sind weit verbreitet. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens daran. Das persönliche Depressionsrisiko ist jeweils größer, wenn bereits Eltern als Kriegskinder oder Grosseltern als Kriegsbetroffene an Depressionen erkrankten. Weitere Aspekte sind traumatische Belastungssituationen, Überschreitungen individueller Belastungsgrenzen, Schicksalsschläge, Todesfälle, Krankheiten, Trennungen, Verluste. Schleicht sich massiv Traurigkeit ins Leben, ist es für Betroffene oft schwer, die Ursachen sofort zu erkennen. Diese können in einem Burnout liegen, weil mehrgenerational nach Liebe und Anerkennung im Beruf gesucht wird. Das kann ein nicht verarbeitetes Verlustthema aus dem 2. Weltkrieg bedeuten. Es lohnt sich, in die eigenen Familienstrukturen zu schauen. Hier liegen meist die Ursachen für Ängste, Süchte und Depressionen. Eine schwere Aufgabe angesichts der Schweigegeneration unsere Vorfahren. Bei erfolgreicher Transparenz über das vererbte Trauma sind weder Psychopharmaka noch Schulmedizin nötig, um die Depressionen zu überwinden.

Vegetative Dystonie

Traumata des 2. Weltkrieges, die nicht aufgelöst werden, können unter Umständen über Generationen weiterwirken. In den eklatantesten Fällen verstören die Verhaltensweisen, die Väter und Mütter sich aus Not im Krieg zugelegt hatten, nicht nur ihre Kinder, sondern wurden von einzelnen Söhnen bzw. Töchtern oder sogar Enkeln wiederholt. Jahrzehnte später und scheinbar ohne Anlass. Im Rahmen dieser vererbten Traumata stellten Schulmediziner gerne die Diagnose VEGETATIVE DYSTONIE. Dies geschah in den letzten 70 Jahren aus Verlegenheit, denn die Ärzte können kein eindeutiges Krankheitsbild fixieren. Insbesondere Kriegskinder der Jahrgänge 1930 – 1945 sind betroffen, die eine frühe kindliche Traumatisierung im 2. Weltkrieg erfahren haben. Sie zeigen Symptome wie Depressionen, nachhaltige nervliche Überreizung, Angst, Alkohol- oder Tablettensucht.

Me too

Nicht nur in Amerika arbeiten sexuell belästigte Frauen. Insbesondere im öffentlichen Dienst Bayerns ist dieses Problem bei weiblichen Angestellten und Beamtinnen bekannt. Die Stellung der Frau im 3. Reich als sexuelles Opfer mit Mutterorden ist die Basis solcher deutschen und bayerischen Entwicklungen. Eine weibliche Arbeitnehmerin im öffentlichen Dienst kommt nicht durch ihre Probezeit, weil sie die eindeutigen sexuellen Angebote ihres neuen Vorgesetzen strikt ablehnt. Eine andere erhält nicht die wohlverdiente Leistungsprämie, weil sie den Avancen ihres Chefs nicht nachgibt. Eine weitere weibliche Angestellte wird jahrelang nicht befördert und gemobbt, weil sie die sexuellen Annäherungsversuche und sexistischen verbalen Bedrängungen im Rahmen eines Bossing ignoriert. Gleichzeitig erhalten Frauen, die ein sexuelles Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten eingehen, Beförderungen und teure Schulungen. Die Stellung der Frau im bayerischen öffentlichen Dienst erscheint kollektiv historisch niedrig im Vergleich zu Männern. Dies wird insbesondere durch ein 20-50% niedrigeres Gehaltsgefüge deutlich. Die Männer haben die Macht in bayerischen öffentlichen Institutionen. Man ist erinnert an die frauendiskriminierenden Hierarchiestrukturen des 3. Reiches. Im Nachkriegsdeutschland antwortete eine weltkriegstraumatisierte Mutter ihrer Tochter, die sich über männliche Anzüglichkeiten beschwerte: ” Dumme Gans, sei froh, dass die Männer so etwas tun und Dich bemerken!” Sie sollte das das Kompliment auffassen. Ein Mädchen in den 50er und 60er Jahren musste hübsch sein, schweigen, lächeln, sich dem Mann unterwerfen und anpassen. Wie stark ist seit dem die Verdrängung auf Seiten der Frauen, die nun 2017 lawinengleich im Kollektiv Jahrzehnte später von den erlebten Belästigungen durch Männer berichten. Die an den Pranger gestellten Männer und Vorgesetzten müssen nun die Anklagen mit zum Teil erheblichen beruflichen Konsequenzen für sich selbst hinnehmen. Frauen sollen in Zukunft gut auf sich selbst achten und sich gegen unangemessene Zugriffe und Forderungen von Narzissten zur Wehr setzen.  Nur wenn sich Frauen angesichts ihrer bemitleidenswerten Historie solidarisieren, kann ein Fortschritt in ihrem jeweiligen vererbten mehrgenerationalen Trauma erreicht werden. Die ARD hat am 8.11.2017 im Spielfilm MEINE FREMDE FREUNDIN das Thema sexuelle Nötigung im öffentlichen Dienst genial veröffentlicht. Hannes Jaenicke spielt den angestellten Narzissten und Macho, der seine Bürokollegin Ursula Strauss respektlos sexuell belästigt. Das TV Drama über das Patriachat in der öffentlichen Verwaltung ist sehr nahe an der Realität. Es wird Zeit, dass alle Büronarzissten, die ihre Macht im öffentlichen Dienst ähnlich wie Harvey Weinstein und Kevin Spacey missbrauchen, auch in Bayern zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Zeitzeugensterben

Ein Zeitzeuge für den 2. Weltkrieg, das 3. Reich und die Nachkriegszeit ist Freund und Feind des Historikers zugleich. Einerseits gibt es immer weniger Menschen, die diese wichtige Zeit autentisch berichten können. Andererseits handelt es sich um eine Generation des Schweigens und Schönredens. Vieles war wohl nur durch Schweigen zu ertragen. Das kann man nicht sagen! Diese Frage hat sich damals nicht gestellt! Das weiss ich nicht mehr! Sind häufige Antworten von Zeitzeugen, die nach mehr als 75 Jahren ihr Gedächtnis nach Erinnerungsfetzen über einen bestialischen 2. Weltkrieg absuchen.

JUSTIZPALAST

Die deutsche Autorin Petra Morsbach hat in ihrem 2017 erschienenen Roman JUSTIZPALAST zum Thema vererbtes Trauma überzeugt. Es geht um Gerechtigkeit in Theorie und Praxis, während des dritten Reiches und der Nachkriegszeit. Thirza Zorniger aus München stammt aus einer schlechten Ehe, ihr Vater ist ein älterer Schauspieler, ihre junge schöne Mutter hat das Jurastudium abgebrochen, sie verbittert und stirbt früh. Thirza wächst bei ihren Grosseltern auf. Der Großvater war während des 2. Weltkrieges Richter und Nazi – in der Nachkriegszeit Angestellter in der Rechtsabteilung des Bayerischen Rundfunkes. Der Roman beschreibt Thirzas vererbtes Trauma und ihre Bewältigungsstrategien. Wirklich sehr gut recherchiert und lesenswert!