Alkoholikerschatten

Mein Opa war auch Alkoholiker” – rechtfertigen sich manche Säufer! In Bayern sind schätzungsweise 500.000 Menschen alkoholabhängig. Hinter dieser Zahl steckt eine hohe Dunkelziffer. Viele deutsche Väter und Mütter, Kriegsenkel und Kriegskinder saufen. Söhne und Töchter von alkoholkranken Eltern erleben nachweislich Angst, Unsicherheit, Vernachlässigung und einen Mangel an Stabilität und Geborgenheit. Kindern aus Alkoholikerfamilien haben im Vergleich zu Gleichaltrigen ein sechsfach höheres Risiko, später selbst suchtkrank zu werden. Kinder müssen in die Elternrolle schlüpfen und Verantwortung für ihre Alkoholikereltern übernehmen. Diese Parentifizierung überlastet Kinder! Es ist immer wieder schrecklich, die mehrgenerationalen Alkoholkrankeiten im vererbten Trauma in deutschen Familien zu beobachten! Fast in jeder deutschen Familie ein Alkoholikerschatten, der besonders bei alkoholkranken Frauen multidemensionale Schattenwirkung auf ihre Kinder ausübt!

Bayerische Kriegskinder

Was hat unsere Eltern und Grosseltern dazu verleitet, Hitler zu folgen? Warum waren so viele deutsche Familien verstrickt in das Naziregime? Weshalb hat niemand die eindrucksvolle Schaufassade des 3. Reiches durchblickt? Eine Schlüsselfigur scheint hier der Bau- und Rüstungsminister Albert Speer zu sein. Er zählte zu einem der vier wichtigsten führenden Nazis. Speer baute beispielsweise das repräsentative Reichstagsgelände in Nürnberg und alle KZ Standorte, beispielsweise auch das KZ Flossenbürg im Fichtelgebirge. Nach dem Krieg hat er als Unbeteiligter alle Verantwortung abgelehnt. Er wurde 1966 aus Spandau entlassen. Mit seinen Büchern wurde er im Nachkriegsdeutschland Millionär. Den gegenteiligen Berichten in KZs inhaftierten jüdischen Bürgern wurde dagegen in der deutschen Gesellschaft kein Gehör geschenkt. Es ist eine Schande, dass es heute noch bayerische Kriegskinder gibt, die positiv über die Prunksucht des 3. Reiches sprechen! Wie sollen deutsche Familien endlich ihre vererbten Traumata überwinden?

Fünffinger

55 Jahre Traumatisierung! 55 Jahre Traumamutter! 55 Jahre Familiengeheimnis! Ihr Mädchenname ist Fünffinger. Ein typischer jüdischer Name. Sie wurde 1938 als jüngstes Kind im Sudetenland geboren. Ihr Vater verwertete das Judenvermögen für die Nazis und wurde dadurch sehr reich. Die Familie wurde 1946 vertrieben und siedelte neu in Bayern. Nächstes Jahr wird sie 80 Jahre alt. Bis heute hat sie weder ihrem Ehemann, noch ihren Kindern und Enkeln gesagt, dass sie Jüdin ist. Nie kam auch nur ein einziges Wort über ihre Lippen. Dieses Familiengeheimnis wird sie in ihr Grab mitnehmen. Ihrer Familie hätte es geholfen, die jüdischen Wurzeln und jüdische Gene zu kennen und sich persönlich damit zu identifizieren.  Ein weiteres Beispiel für mehrgenerational vererbtes Trauma! Fünffinger. Fünfstern. Judenstern.

Vererbte Homosexualität

Heute heißt es: Deutschland ist bunt. Im 3. Reich hiess es: Vorbestrafte Schwule und Lesben auf Rosa Listen nach dem 1871 erlassenen und im 3. Reich verschärft angewandtenberüchtigten Homosexuellen Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches. Dieser bestand bis 1969 und wurde erst 1994 abgeschafft. Schon in den 20er Jahren wurden Homosexuelle in Deutschland verfolgt. Von 1933-1945 wurden im Reich etwa 70.000 Männer wegen Homosexualität abgeurteilt. Für die Nazis waren Schwule und Lesben Staatsfeinde, die nicht für Nachwuchs sorgten und eine seuchenartige Bedrohung für das deutsche Volk darstellten. Homosexuelle hatten keinerlei Rückhalt in der deutschen Gesellschaft und wurden in ihren eigenen Familien todgeschwiegen. Es herrschte Denunziantentum, jeder verräterische Fall wurde von den Behörden verfolgt. Dabei war die Nazi führung wie beispielsweise der SA Chef Ernst Röhm selbst homosexuell. Der auf der Rosa Liste stehende Schneider Franz Kopriva wurde 1934 als amtbekannter Homosexueller festgenommen und ins KZ Dachau gesteckt. Gauleiter Adolf Wagner trieb seine Verfolgung voran. Heute ist rosa in der deutschen Gesellschaft eine unbelastete beliebte Farbe. Trotzdem verschweigen noch heute deutsche Familien ihre homosexuellen und lesbischen Angehörigen. Dabei kann man seit 2017 legal heiraten. Diese Familiengeheimnisse belasten nachfolgende Generationen, die ein Outing meist aus Angst nicht wagen. Vererbte Homosexualität sollte endlich bunt werden! Der deutsche Justizminister 2017: MIT UNSEREM GESETZ WOLLEN WIR DIE OPFER REHABILITIEREN! DIE VERURTEILTEN HOMOSEXUELLEN DÜRFEN NICHT LÄNGER MIT DEM MAKEL DER VERURTEILUNG LEBEN MÜSSEN. DEN WENIGEN OPFERN, DIE HEUTE NOCH LEBEN, MUSS ENDLICH GERECHTIGKEIT WIDERFAHREN!

NESTREINIGER

Was tun mit den Nachlässen der Grosseltern? Was tun mit dem jahrzehntelangen Schweigen der Grosseltern über ihre traumatischen Kriegserlebnisse? Was tun mit den Familiengeheimnissen wie Vergewaltigungen im Krieg oder Homosexualität der Kriegsgeneration?

Die Enkelgeneration der Babyboomer ist zu einem Outing eher bereit als Eltern und Grosseltern. Emotionale Distanz ist nötig. Ob Liebe oder Familienstreit: Da kommt sehr viel ans Licht. Die Kiste, die die traumatisierten Eltern in der Nachkriegszeit zugeklappt und verschwiegen haben, machen die Enkel wieder auf, weil sie mittlerweile die emotionale Distanz gewonnen haben. Die treten als NESTREINIGER auf. Ihre Eltern und Grosseltern bezeichnen sie jedoch als NESTBESCHMUTZER.

Aktuell gibt es drei Buchautoren, die die mehrgenerationale Geschichte ihrer deutschen Familie nachgespürt haben. WIBKE BRUNS hat sich mit dem Roman MEINES VATERS LAND auf die Spuren ihres Vaters Hans Georg Klamroth begeben. Diesen hatten die Nazis nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hingerichtet haben. ALEXANDRA SENFFT berichtet mit ihrem Buch SCHWEIGEN TUT WEH von ihrer Mutter, über deren unglückliches Leben der dunkle und verderbliche Schatten des Vaters, des SA Führers Hanns Ludin lag. Dieser war als Gesandter Hitlers in der Slowakei für den Tod von mehr als 60.000 Juden verantwortlich und wurde 1947 als verurteilter Kriegsverbrecher gehenkt. MARTIN DOERRY widmet sich seinem Buch MEIN VERWUNDETES HERZ dem Schicksal seiner jüdischen Grossmutter Lilli Jahn, die in Auschwitz ermordet wurde.

Alle drei Autoren outen ihre Familiengeheimnisse und vererbten Traumata! Ein vorbildlicher Schritt! Sehr lesenswerte Beschreibungen! Storytelling ist die beste Heilmethode für Kriegsenkel!

Nazi Opfer im Euthanasiekeller

Derzeit feiert das Max-Planck-Institut für Psychiatrie sein 100 jähriges Bestehen. Es wurde 1917 gegründet. Lange beschäftigte sich das Institut nicht mit seiner Vergangenheit im 3. Reich. Kürzlich entdeckte man in den Archiven Präparate von Euthanasie Opfern, die zwischen 1939 und 1945 ermodert worden waren. Diese waren nach dem 2. Weltkrieg nicht bestattet, sondern eingelagert worden. Zur Erinnerung an die Opfer des Nazionalsozialismus und ihrem Missbrauch durch die Medizin wurden mehrere Projekte des Max-Planck-Institutes ins Leben gerufen. Sogenanntes unwertes Leben wurde im Hitler Regime insbesondere bei körperlich und geistig oder psychisch behinderten Menschen angenommen.

Im deutschen TV wird die Thematik 2017 aktuell durch den Mehrteiler CHARITE verfilmt. Endlich wird das Schweigen zur Euthanasie zugunsten einer wichtigen Transparenz aufgegeben. So können deutsche Familien, die bis heute durch diesbezügliche Ereignisse mit ihren Familienangehörigen im 3. Reich traumatisiert wurden, ihr vererbtes Trauma überwinden.

Vererbte Sucht des deutschen Fleisses

Ein interessanter TV Beitrag wurde am 10. April 2017  um 20:15 Uhr im Bayerischen Rundfunk gesendet : HITLER UND DIE KINDER VOM OBERSALZBERG. Zeitzeugen berichteten, wie nahe Berchtesgaden seit 1932 und bis 1945 arische Kinder in der Alpenfestung als Teil einer Propagandamaschinerie vermarktet wurden. Der Obersalzberg war zuvor von 6000 Zwangsarbeitern für das 3. Reich errichtet worden. Am Berghof mit Blick auf den Untersberg inszenierte Hitler sich als kinderlieber volksnaher Reichskanzler. Er vermittelte eine starke, arische, heile Welt der germanischen Herrenmenschen. Politische Gäste wurden in diesem Führersperrgebiet mit besonders repräsentativen deutschen Kindern empfangen.

Gleichzeitig forcierte das Regime die Kindereuthanasie in Deutschland. Unwertes Leben wurde ausgelöscht. Ein zwei Klassen Kinder Staat. In heutigen Zeiten des wieder aufbühenden Nationalismus ein wichtiger Beitrag bester Transparenz des Bayerischen Rundfunkes. Denn diese shizophrene Ideologie sollte niemals mehrNahrung finden. Wieviele deutsche Familien wurden im Rahmen dieser zweifachen Kinderstartegie traumatisiert und fühlen bis heute ein vererbtes Trauma?

Der TV Beitrag hatte eine wichtige message : Die deutsche Kerntugend, der Fleiss, wurde bereits im Kindesalter vermittelt. Kinder sollten Hitler fleissig als Aushängeschild am Obersalzberg dienen und vorgelernte Gedichte aufsagen. Sie sollten fleissig ihren Eltern dienen. Sie mussten bei Vertreibung und Bombardement der Allierten fleissig Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister tragen. Ein VERERBTER FLEISS durch die Kriegskinder ist bis heute eine hohe psychische Last der Kriegsenkel. Ergebnis sind Burnout, Depression, Lebensfrust. Immer fleissig Arbeiten müssen, um geliebt zu werden. Aber die Liebe bleibt aus. Eine unendliche Geschichte, die bei den meisten Babyboomern in Deutschland inzwischen Suchtcharakter besitzt. Nicht nur die Angst vererbt sich bis heute, sondern auch der Fleiss in seiner negativsten Ausprägung!

vererbtes Familiendrama

Die 71 jährige Autorin NATASCHA WODIN wurde im April 2017 mit dem Leipziger Buchpreis, der wichtigsten Literaturauszeichnung in Deutschland,  ausgezeichnet. Dieser renommierte Preis der Leipziger Buchmesse in Höhe von 45.000 Euro wurde für ihren Roman SIE KAM AUS MARIUPOL verliehen. Wodin erzählt eine literarische Biografie ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte. Als junge Frau bzw. Kriegskind erlebte sie den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror. 1944 wurde sie als Zwangsarbeiterin des 3. Reiches nach Deutschland verschleppt. Wenige Jahre später nahm sie sich das Leben. Ihre beiden Töchter waren zu diesem Zeitpunkt vier und zehn Jahre alt. Es handelt sich um eine persönliche Spurensuche der Autorin, die ihrem Verlust und den Verlustängsten eine Sprache gibt. Sie erlebte als Kind Entwurzelung und Fremdheit, ihre Mutter als Zwangsarbeiterin und wuchs in Nachkriegslagern auf. Mit existentieller Wucht werden Nachkriegserlebnisse geschildert, die sich bis in die heutige Familiengeneration auswirkt. Ein grossartiges Buch gegen das Schweigen dieser Kriegsgeneration. Die Autorin wirft als Kriegsenkel einen Lichtstrahl auf das unermessliche Leid ihrer Mutter und erhellt damit das Schicksal hunderttausender Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland. Ein wirklich lesenswertes Buch für Interessierte, die ihr vererbtes Trauma aufarbeiten wollen!

Energieraubender Narkosering

Im SWR TV Programm konnte am 11.12.2016 um 7:30 Uhr ein interessanter Vortrag des deutschen Traumaprofessors Dr. Ruppert verfolgt werden. Er beschreibt erlebte Traumata von Kriegen als Hilflosigkeit, Ohnmacht und Fehlen von Handlungsfähigkeit. Jeder Krieg vom 1. und 2. Weltkrieg bis Afganistan oder Syrien erzeuge Traumatisierungen, persönliche Spaltungen, energieraubende Narkoseringe der Betroffenen. Diese Traumatisierten führen den Krieg und Terror in Ehe und Familie weiter fort. Die Täter-Opferstrukturen lassen sich nach Jahrzehnten weiterverfolgen. Krieg erscheint als Traumaheilung, da die Angst übermächtig im Körper verbleibt.

Beispielhaft sei von einem Kriegskind Jahrgang 1938 erzählt. Auf der Vertreibung aus dem Sudetenland traumatisiert, terrorisiert sie als Narzisstin noch 70 Jahre danach untherapiert ihre Familie als Täter. 2016 flüchtete sie abermals – in ein anderes Seniorenheim zusammen mit ihrem dementen Ehemann Jahrgang 1936. Als Traumafolge geht sie als Stressreaktion weiter auf die Flucht, die traumatisierte Kindheitssituation wird wiederholt. Sie fühlt eine äussere Bedrohung, die nicht real existiert. Psychopharmaka zur Betäubung und Schutz helfen nicht. Die veränderte psychische Hirnreaktion bzw. Spaltung nach der Traumaerfahrung 1945 hat die Psyche krank nachhaltig gemacht. Nur der 70 Jahre alte Betäubungs- und Narkosering lässt sie glauben machen, es sei niemals ein Trauma in ihrem Leben passiert. Die Scheidung ihrer Tochter Jahrgang 1968 hatte die Frau seit 2015 so angetriggert, dass sich ihr altes Traumaüberlebensprogramm abspulte. Sie wurde wieder zum Täter, obwohl sie zeitlebens den Anschein gab, Opfer zu sein. Hass, Gewalt und Herzenskälte gegenüber ihren Kindern und Enkeln lässt sie bis zum Tode ihren persönlichen Krieg weiter führen. Die eigene Familie ist zerstört, weil sich die traumatisierte Täterin als Überlebensstrategie seit 70 Jahren unschuldig darstellt und in ihrer Ehre angegriffen fühlt bzw. jede Zurrredestellung als Beleidigung dementiert. Ihr Motto ist seit 1945: IRGENDEIN FEIND IN IHRER FAMILIE EXISTIERT IMMER, UM IHREN KRIEG ALS TRAUMATISIERTE WEITER FÜHREN ZU KÖNNEN! Verantwortung für ihre eigene in den Grundfesten zerstörte Familie trägt sie dabei nicht. Jeder Traumatisierte kann sich mit einem Traumatherapeuten seine Gesundheit zurück erkämpfen. Der Generation der Kriegskinder bleibt dieser therapeutische Weg aus innerer Überzeugung verschlossen! Die Generation der Kriegsenkel wurde durch vererbtes Trauma so belastet, dass die Auflösung der Kriegstraumata des 2. Weltkrieges in der Zukunft eine Aufgabe der Gesellschaft bleiben wird.

NEBEL IM AUGUST

Das deutsche Kinodrama NEBEL IM AUGUST erzählt 2016 vom Eutanasie Programm der Nazis in der schwäbischen Anstalt Kaufbeuren. Hier wurden während des 3. Reiches 2000 Menschen ermordet, weil sie als lebensunwert galten. Verfilmt wurde der intellektuell spannende Kinofilm mit Sebastian Koch und Fritzi Haberlandt. Gewalt gegen Kinder, Misshandlungen im Erziehungsheim. Nach aussen hin sind die Ärzte ihrem Eid verpflichtet, hinter verschlossenen Türen werden sie zu Mördern. Die Todesglocke läutet täglich mehrmals. Gift im Himbeersaft schafft unzählige Todesopfer. Das Eutanasiethema im 2. Weltkrieg gilt historisch als aktive Sterbehilfe. Dank dieses Films wird mehr als 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges Transparenz in die Gesellschaft gebracht.

Die deutschen Familien, die einen Angehörigen im Rahmen des Eutanasie Programmes verloren haben, schweigen noch heute. Das Familiengeheimnis zu Wert oder Unwert des Lebens wird bewahrt, um nächste Generationen nicht zu belasten. Dieses Schweigen dynamisiert sich jedoch als mehrgenerationales vererbtes Trauma. Ist es nicht endlich an der Zeit, das Eutanasie Trauma in den jeweiligen Familien zu betrachten und zu heilen?