vererbtes Familiendrama

Die 71 jährige Autorin NATASCHA WODIN wurde im April 2017 mit dem Leipziger Buchpreis, der wichtigsten Literaturauszeichnung in Deutschland,  ausgezeichnet. Dieser renommierte Preis der Leipziger Buchmesse in Höhe von 45.000 Euro wurde für ihren Roman SIE KAM AUS MARIUPOL verliehen. Wodin erzählt eine literarische Biografie ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte. Als junge Frau bzw. Kriegskind erlebte sie den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror. 1944 wurde sie als Zwangsarbeiterin des 3. Reiches nach Deutschland verschleppt. Wenige Jahre später nahm sie sich das Leben. Ihre beiden Töchter waren zu diesem Zeitpunkt vier und zehn Jahre alt. Es handelt sich um eine persönliche Spurensuche der Autorin, die ihrem Verlust und den Verlustängsten eine Sprache gibt. Sie erlebte als Kind Entwurzelung und Fremdheit, ihre Mutter als Zwangsarbeiterin und wuchs in Nachkriegslagern auf. Mit existentieller Wucht werden Nachkriegserlebnisse geschildert, die sich bis in die heutige Familiengeneration auswirkt. Ein grossartiges Buch gegen das Schweigen dieser Kriegsgeneration. Die Autorin wirft als Kriegsenkel einen Lichtstrahl auf das unermessliche Leid ihrer Mutter und erhellt damit das Schicksal hunderttausender Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland. Ein wirklich lesenswertes Buch für Interessierte, die ihr vererbtes Trauma aufarbeiten wollen!

Spiegelberg

Mit dem seit Sommer 2016 neu erschienen Roman SPIEGELBERG begeistert ein weiteres Werk zum vererbten Trauma die deutsche Literaturlandschaft. In der Siedlung Spiegelberg hatten sieben Freunde der 60er und 70 er Jahre ihre Kindheit verbracht. Zwischen Gewalt, Zurückweisung und sprachlosen vom 2. Weltkrieg traumatisierten Eltern. Die Traumata der Generation der heute 50- 60 jährigen Babyboomer werden detailliert geschildert. Eine Generation, die sich im revolutionären Aufbruch wähnte, um sich dann doch mit dem Erwarteten zu begnügen. Eine bis heute tief verwundete Generation der Kriegsenkel, die niemals die stärkende Liebe ihrer Angehörigen fühlen durfte. Die in der unendlichen Suche nach dieser Liebe über ihrem gesundheitlichen Potenzial berufliche Leistungen erbringen, weil sie sich dadurch die Anerkennung ihrer Eltern erhoffen. Frauen, die ihre Weiblichkeit nicht leben, um den Sohn zu ersetzen, der niemals geboren werden konnte, jedoch den Verlust des Großvaters für den Vater ersetzen müssen.

Michael Göring, Jahrgang 1956 ist in Westfalen aufgewachsen. 2011 erschien sein Debütroman DER SEILTÄNZER. 2013 erfolgte der Roman VOR DER WAND. Der Autor leitet die gemeinnützige ZEIT Stiftung und unterrichtet im Fach Kulturmanagement aneiner Hochschule in Hamburg.

Vererbtes Flüchtlingsschiksal II

Die Flüchtlingsschiksale 2015 erinnern an die Traumata der Verstossenen vor 70 Jahren 1945.

2015 werden 1 Million Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen.

1945 waren es 12 Millionen Flüchtlinge im durch Bombenterror zerstörten Deutschland.

Flüchtlingsschiksal 2 1945:

Der Mann wurde 1930 in Schlüchtern geboren. Während des 2. Weltkrieges lebte er mit seiner Familie eine Zeit lang versteckt auf einem Bauernhof. Der Ort liegt heute in Polen. Hungrig, müde und mit 2 Koffern kam die flüchtende Familie in Nürnberg an. Eine junge Einheimische hatte Mitleid mit ihnen und half, die Koffer im Januar 1945 zum Hauptbahnhof zu tragen. Wenige Stunden später erreichten sie Amberg, wo eine Schwester der Mutter sie beherbergte. Endlich gab es wieder etwas zu essen und zu trinken. Ein Zimmer mit zwei Betten wurde das neue Zuhause. Einen Kleiderschrank gab es nicht. Die Familie war froh, nicht ins Flüchtlingslager zu gehen. Nach und nach trafen weitere Mitglieder der Familie in Amberg ein. 14 Tage lang waren sie auf Pferdewagen nach Nürnberg unterwegs gewesen. Eine Tochter wurde in Wien von einem Bombenangriff verwundet. Der Bruder war Soldat und wurde von den Amerikanern interniert. Der Vater der 1. Generation kam nicht aus dem Krieg und galt ab Januar 1945 als vermisst. Nach der Flucht waren sie bettelarm. Die Familie bekam zunächst kein Geld vom Staat. Die Kinder standen stundenlang beim Bäcker um ein Brot an. Meist war der Brotbestand ausverkauft, bis das Familienmitglied an der Reihe war. Wie die Mutter mit den wenigen Lebensmittelmarken alle satt bekam, ist heute noch ein Rätsel.

Der Mann musste 2015 in ein Pflegeheim. Er reagierte agressiv und depressiv. In seinem Leben sollte er ein zweites Mal eine Fluchtsituation durchstehen, indem er alles Materielle zurücklassen musste wie 1945. Er wurde psychologisch angetriggert durch die Situation und war voller Angst, ein kleines Zimmer im Altenheim beziehen zu müssen. Die 70 jahre vergangenen Traumata kehrten in sein Bewusstsein zurück. Als seine Angehörigen das verstanden, konnten sie mit ihrem Angehörigen verständnisvoller und wertschätzender umgehen.

Was bleibt

Die ARD sendete am 8. Juli 2015 um 20:15 Uhr das TV Drama WAS BLEIBT. In beeindruckender Weise wurden die schwelenden Konflikte während eines Familientreffens aufgezeigt. Ein Ehepaar lädt über das Wochenende ihre beiden erwachsenen Söhne ein, doch die Illusion einer glücklichen Familie zerplatzt. Im Zentrum des Spielsfilms steht die 59 jährige Mutter genial gespielt durch C. HARFOUCH. Sie ist seit Jahrzehnten an einer schweren Depression erkrankt. Die Söhne haben von Kindheit an gelernt, ihre kranke Mutter zu schonen, ihre Probleme von ihr fern zu halten und eigene Verantwortung zu übernehmen. Nach dreissig Jahre mit dieser Krankheit erzwingt die Mutter einen Neuanfang, indem sie ihre Tabletten abgesetzt hat. Der Ehemann hatte eine Wochenendehe geführt, bis er vor zwei Jahren eine Freundin genommen hatte. Die Kommunikation in dieser deutschen Familie ist tot. Jeder hat seine eigenen Geheimnisse. Die depressive Mutter hat die psychologische Macht über Söhne und Ehemann. Diese sind permanent ängstlich etwas zu tun, was die Mutter kränker macht. Diese spielt mit ihren Familienangehörigen bis sie sich am Ende selbst umbringt. Danach fliessen die Familienenergien wieder positiv: Der älteste Sohn kann sich wieder mit der Mutter seines kleinen Kindes Zowie versöhnen und sein Leben in Ordnung bringen, der zweite alkoholkranke Sohn schafft es, eine neue erfolgreichere Praxis als Zahnarzt in Schweden zu eröffnen, der Ehemann macht nach Jahren der Belastungen in seiner Ehe eine Reise mit seiner Freundin nach Jordanien.

WIR SIND GEFANGENE DESSEN, WAS DIE MUTTER MIT UNS GEMACHT HAT! In Familien mit vererbtem Trauma bzw. einer schweren Depressionserkrankung können die Angehörigen sich nicht vor negativen Familienprozessen schützen und erst gesunden, wenn das kranke Familienmitglied aus dem Familienverbund ausgeschieden ist. Ein Dank an die ARD und den Regisseur HANS-CHRISTIAN SCHMID, die diesen Aufklärungsfilm möglich gemacht haben.

Depressionsgeneration

Nach Meinung vieler Forscher liegt die Ursache von Depressionen in Deutschland darin, dass Betroffene in der Kindheit Verluste erlitten haben. Keine der psychischen Krankheiten lässt sich besser transgenerational vererben wie die Depression. Erlitt ein Familienmitglied im 2. Weltkrieg einen Bindungsverlust durch Tod seines Vaters als Wehrmachtsoffizier oder der Mutter bei der Vertreibung aus den Ostgebieten, so kann 70 Jahre später eine chronische Depressionsneigung in dieser Familie vorliegen. Wer auf etwas verzichten muss, das ihm wichtig ist, verliert einen positven Verstärker im Leben und zieht sich aus erlernter Hilflosigkeit im Leben zurück. Kinder, die ein Symbiosetrauma erleiden, entwickeln negative Gedanken über sich und ihre Welt. Später geben sie sich als Depressive meist selbst die Schuld daran, wenn ihnen etwas Schlechtes widerfährt. Erfolg empfinden sie nicht als eigenen Verdienst. Deutsche Familien die durch ein depressives vererbtes Trauma mehrgenerational belastet sind, gelangen in psychosozialen Stresssituationen wie Scheidung, Kündigung, Krankheit immer wieder in den Teufelskreis der Depression. Wenn belastende Erfahrungen durch einen drohenden oder tatsächlichen Verlust reaktiviert werden, erleben die Betroffen eine dauerhaft undiffernziert negative Stimmungslage. Manche Depressive verlassen nicht einmal mehr ihr Bett, bei anderen Depressiven fällt die Erkrankung nicht auf. Mehr als drei Viertel entwickeln eine weitere psychische Störung wie Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeit bzw. Angststörungen. Jeder zweite Patient hat Selbstmordgedanken und mindestens die Hälfte der Suizide geht auf eine Depression zurück. Welch belastete deutsche Depressionsgeneration!

Psychisch stigmatisierte Traumata

Endlich dürfen Angehörige der Eutanasieopfer des 3. Reiches über ihre vererbten Traumata berichten und die Schicksale ihrer Familien aufarbeiten.. Die Stigmatisierung der 1940 in Heil- und Tötungsanstalten deportierten Deutschen kann zum 75. Gedenktag des Endes 2. Weltkrieges am 8.5.2015 aufgehoben werden. Hunderttausende psychisch Kranke und Behinderte waren von den Nazis getötet worden. Der kalkulierte Massenmord in der NS-Zeit zeugt von dramatischen Einzelschicksalen, die von vielen Familien bis heute als Familiengeheimnisse verschwiegen wurden. Wie verarbeiten deutsche Familien ein 75 Jahre altes Trauma, das bis in die Gegenwart reicht? Man sprach nicht über die getöteten Väter, Mütter, Grosseltern aber psychologisch rissen die Verlusttraumen grosse Wunden. Man sprach nicht über die psychischen Erkrankungen, die womöglich bis heute in den Familien wüten: Schizophrenie, Depression, Psychose, etc. Diese psychischen Krankheiten galten als Makel. Man hatte das nicht. Und 2015 negiert man diese psychischen Krankheiten nach wie vor. Aus vererbter Angst? Noch heute haben Angehörige Schwierigkeiten, offen über psychische Familienleiden zu sprechen. Sie verdrängen und haben jahrzehntelang Schuldgefühle. Aber sie wollen ihren getöteten Familienmitgliedern nahe sein und einen Platz in ihrem Gedächtnis einräumen. Mit einer neuen Transparenz und Offenheit! Vorbildlich!

Verlorene traumatisierte Kinder

Im Jahr 2015 häufen sich die Fälle von Sorgerechtsentzug, die sich bereits 2014 überdurchschnittlich gesteigert hatten. Handelt es sich hier um ein vererbtes Trauma? Hat sich die emotionale und physische Vernachlässigung von Kindern seit Ende des 2. Weltkrieges bzw. der Nachkriegsära über Generationen hinweg vererbt? Erleben einige deutsche Familien 2015, dass ihnen das Kind weggenommen wird, weil ein Kindesverlust 1945 in dieser Familie zu verzeichnen war? Hätten viele Kriegsenkel bereits in den 50er und 60er Jahre aus ihren traumatisierten Familien herausgenommen werden müssen? Wenn Kinder über Jahre einer stressvollen Situation im Elternhaus ausgesetzt werden, dann reagiert die Seele im Erwachsenenalter und bis zum Lebensende darauf. Der Körper entwickelt heftige Symptome wie Schlafstörungen, Ängste, Dauerschmerzen. Viele Eltern wundern sich 2015, dass ihr Kind nicht wächst und zurück bleibt. Aber sie führen diese Entwicklung nicht auf vererbte Traumatisierungen in ihrer Ursprungsfamilie zurück. Seit den Kriegsjahren traumatisierte Familien feiern fromm und ergeben regelmässig Familienfeste, obwohl sie durch ihre Eltern und Grosseltern Gewalterfahrungen gemacht haben und eine Pathologische Bindung an die Täter entwickelten. Keiner spricht davon, dass sie sich als Kind mit einem Sorgerechtsentzug besser entwickelt hätten. Familiengeheimnisse werden unter den Tisch gekehrt. Andere sind bei alkoholkranken und schizophrenen Elternteilen aufgewachsen und mussten als Kinder Verantwortung für Vater und Mutter übernehmen. In einer Form der Bindungsstörung mussten sie die Mutter vor dem gewaltbereiten Vater schützen und wundern sich 2015 warum sie seit Jahrzehnten keine harmonische Partnerschaft leben können. Wer spricht über die täglichen Gefährdungen des Kindeswohls der Kriegsenkel? Warum sieht niemand den direkten Zusammenhang zur Gefährdung des Kindeswohls ihrer Kinder in 2015? In den 50er und 60er Jahren wurden die Kinder durch ihre kriegstraumatisierten Eltern emotional vernachlässigt ohne nach aussen blauen Flecke oder Verwahrlosung gezeigt zu haben. Diese Traumatisierungen des Gehirns  sind in 2015 im Erwachsenenalter jedoch deutlich zu spüren. Es fällt ihnen ein Leben lang schwer, befriedigende Beziehungen zu finden. Wählen sie doch stets das Ehemuster ihrer Eltern: Psychopath verheiratet mit Alkoholiker, Narzisst verheiratet mit Depressionsbetroffenem, Tabletten- und Tabaksüchtiger verheiratet mit Schizophrenem, Fremdgeher verheiratet mit Psychotiker, etc. Wann ist ein heilsames Ende des vererbten Traumas in deutschen Familien möglich?

Vergessene Kinder traumatisierter Suchtfamilien

Ich stamme aus einer mehrgenerationalen Suchtfamilie. Es hat sich seit Kindheit alles um meinen suchtkranken Vater und meine suchtkranke Mutter gedreht. Von meinen alkoholkranken Omas und Opas ganz zu Schweigen. Ich erlebte Traumata, weil der Vater wieder den Führerschein wegen seiner vielen Alkoholfahrten entzogen hatte und das Geld aufgrund seiner Arbeitslosigkeit knapp war. Die Tablettensucht meiner Mutter brachte sie in meiner Jugend häufig in die Nervenklinik. Zu Hause hatte ich im Alter von 12-14 Jahren während ihrer monatelangen Abwesenheiten die Verantwortung für Haushalt, meine kleine Schwester und meine Schule. Diese dysfunktionale Familienstrukturen prägten schon früh meine Coabhängigkeit, die mich bis heute im Alter von 55 Jahren nicht loslässt. Der Preis ist hoch: kein Ehepartner ist suchtfrei, jeder Mann mit Alkoholkrankheit zieht mich magnetisch an.

Die Deutschen der 3. Generation geboren 1950-1970 sind vergessene Kinder. Vergessen deshalb, weil sie gut funktionieren und beruflich erfolgreich sind. Sie leiden an Isolation, Leere, Heimatlosigkeit, Entwertung und Wertverschiebung, Täuschung und Selbstbetrug, Verstrickung, Schuld, Verlustangst, Gefühllosigkeit und Sehnsucht. Es handelt sich um die Kriegsenkel des 2. Weltkrieges. Die vergessenen Kinder tragen die Kriegserfahrungen ihrer Eltern und Grosseltern wie Flucht, Heimatverlust, Vertreibung, Gewalt und Tod unbewusst in sich. Sie sind mit suchtkranken Kriegskindern aufgewachsen, die als ihre Eltern grossen Einfluss auf ihre Traumatisierungen hatten und haben. Diese transgenerative Traumaweitergabe hat bei den Deutschen der 3. Generation zu extremer Leistungsorientierung bis zum Burnout geführt, geringem Selbstwertgefühl, übermässiger Anpassung und Identifikation, Konfliktscheue, Schweigen und Depression geführt. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen: Mütterliche und väterliche Liebe und Zuwendung hätte die Krankheitsneigung und Stressempfindlichkeit meiner Generation der Kriegsenkel vermindert. Ein Beispiel von vererbtem Trauma!

Wolfskinder

Zum Ende des 2. Weltkrieges vor genau 70 Jahren mussten sich viele deutsche Kinder ohne Eltern durchschlagen. Viele dieser Wolfskinder flohen in die Wälder und wurden dort schutzlos über alle Massen traumatisiert. Eine Zeitzeugin war 12 Jahre alt, als sie 1945 ihre 40 jährigen Eltern verlor und sich mit ihrem achtjährigen Bruder nach Littauen durchschlug. 1951 schickten die Russen beide in die DDR, von dort kamen sie nach Lübeck. Es handelt sich nicht um Einzelschicksale. Noch heute berichten traumatisierte Deutsche über die persönlich empfundene Schuld, ihre kleinen Geschwister in den Kriegswirren verloren zu haben. Die heimatlosen Kindern zogen bettelnd umher, bis das Deutsche Rote Kreuz 1946 eine Kinderrückführung organisierte. Mit Hilfe einer Rundfunksendung wurden entfernte Verwandte gesucht, mit denen die Wolfskinder ein neues besseres Leben beginnen sollten. Die Erinnerungen an die schreckliche Kindheit verfolgen noch heute Senioren, deren Trauma tief verwurzelt ist und deren Nachkommen vielfältiges vererbtes Trauma in Form von chronischen Krankheiten zeigen.

Raureif

Die Autorin Edith Zeile hat 2012 ihren Roman RAUREIF – EINE KRIEGSKINDHEIT veröffentlicht. Selten konnte eine Vertreterin der kriegsbetroffenen 2. Generation Jahrgang 1936 eine derartige literarische Aufmerksamkeit erlangen. Die promovierte Akademikerin erzählt ihre autobiografische Geschichte ohne sich vom tiefen jahrzehntelangen Schweigen ihrer Generation beeinflussen zu lassen. Nach dem frühen Verlust ihres geliebten Vaters wird sie mit Mutter und Schwester am Ende des 2. Weltkrieges 1944 aus Westpreussen vertrieben. Wieder wird die These im vererbten Trauma der Heimatvertriebenen bewiesen: Als Kind vertrieben wird das weitere Leben durch überdurchschnittlich viele Umzüge geprägt: Norddeutschland, Heidelberg, London, USA. Die innere Heimatlosigkeit beeinflusst im genetischen Code Vertriebener auch die Partnerlosigkeit der Autorin. Die dramatischen Ereignisse ihres Lebens und die Folgen des Krieges überschatten nicht nur ihr Einzelschicksal, sondern weitere drei Generationen von Frauen dieser deutschen Familie Stein. Während ihre Mutter als Kriegerwitwe der 1. Generation ihre schicksalhafte Einsamkeit klaglos verdrängt und erst im Alter von panischen Ängsten verfolgt wird, ist ihre Tochter ein Leben lang auf der Suche nach dem Phantom der Liebe und das autistische Enkelkind der 3. Generation tritt noch vor der Geburt den Rückzug in eine gläserne Innenwelt an bevor es in jungen Jahren stirbt. Ein dramatisch schweres Leben der Autorin, die das vererbte Trauma ihrer Familie anschaulich schildert. Ein weiteres Buch zum vererbten Trauma, in dem sich wohnen lässt!