Energieraubender Narkosering

Im SWR TV Programm konnte am 11.12.2016 um 7:30 Uhr ein interessanter Vortrag des deutschen Traumaprofessors Dr. Ruppert verfolgt werden. Er beschreibt erlebte Traumata von Kriegen als Hilflosigkeit, Ohnmacht und Fehlen von Handlungsfähigkeit. Jeder Krieg vom 1. und 2. Weltkrieg bis Afganistan oder Syrien erzeuge Traumatisierungen, persönliche Spaltungen, energieraubende Narkoseringe der Betroffenen. Diese Traumatisierten führen den Krieg und Terror in Ehe und Familie weiter fort. Die Täter-Opferstrukturen lassen sich nach Jahrzehnten weiterverfolgen. Krieg erscheint als Traumaheilung, da die Angst übermächtig im Körper verbleibt.

Beispielhaft sei von einem Kriegskind Jahrgang 1938 erzählt. Auf der Vertreibung aus dem Sudetenland traumatisiert, terrorisiert sie als Narzisstin noch 70 Jahre danach untherapiert ihre Familie als Täter. 2016 flüchtete sie abermals – in ein anderes Seniorenheim zusammen mit ihrem dementen Ehemann Jahrgang 1936. Als Traumafolge geht sie als Stressreaktion weiter auf die Flucht, die traumatisierte Kindheitssituation wird wiederholt. Sie fühlt eine äussere Bedrohung, die nicht real existiert. Psychopharmaka zur Betäubung und Schutz helfen nicht. Die veränderte psychische Hirnreaktion bzw. Spaltung nach der Traumaerfahrung 1945 hat die Psyche krank nachhaltig gemacht. Nur der 70 Jahre alte Betäubungs- und Narkosering lässt sie glauben machen, es sei niemals ein Trauma in ihrem Leben passiert. Die Scheidung ihrer Tochter Jahrgang 1968 hatte die Frau seit 2015 so angetriggert, dass sich ihr altes Traumaüberlebensprogramm abspulte. Sie wurde wieder zum Täter, obwohl sie zeitlebens den Anschein gab, Opfer zu sein. Hass, Gewalt und Herzenskälte gegenüber ihren Kindern und Enkeln lässt sie bis zum Tode ihren persönlichen Krieg weiter führen. Die eigene Familie ist zerstört, weil sich die traumatisierte Täterin als Überlebensstrategie seit 70 Jahren unschuldig darstellt und in ihrer Ehre angegriffen fühlt bzw. jede Zurrredestellung als Beleidigung dementiert. Ihr Motto ist seit 1945: IRGENDEIN FEIND IN IHRER FAMILIE EXISTIERT IMMER, UM IHREN KRIEG ALS TRAUMATISIERTE WEITER FÜHREN ZU KÖNNEN! Verantwortung für ihre eigene in den Grundfesten zerstörte Familie trägt sie dabei nicht. Jeder Traumatisierte kann sich mit einem Traumatherapeuten seine Gesundheit zurück erkämpfen. Der Generation der Kriegskinder bleibt dieser therapeutische Weg aus innerer Überzeugung verschlossen! Die Generation der Kriegsenkel wurde durch vererbtes Trauma so belastet, dass die Auflösung der Kriegstraumata des 2. Weltkrieges in der Zukunft eine Aufgabe der Gesellschaft bleiben wird.

Geschmack von Apfelkernen

Ein TV Film zum vererbten Trauma hat das ZDF am 25.10.2015 um 15:10 Uhr gezeigt. Die Schauspielerinnen Marie Bäumer und Hannah Herzsprung zeigten in eindrucksvollen Spotlights die Frauen einer deutschen Familie 1942 und 2012. Wie 70 Jahre später familiäre Prozesse wie Verlust durch Tod einer Schwester oder Selbstmord Wiederholung finden. Wie die Mütter 4 Generationen lang diesselben Todesursachen wie Lungenentzündung haben. Welch Auswirkungen ein Nazi Opa im 3. Reich bis ins Jahr 2012 haben kann. Wie die Belastungen des 2. Weltkrieges 2012 zu Demenz führen können. Wie der Geschmack von Apfelkernen nach 70 Jahren erneut zu Traumata führen. Und wie der Gelee aus Johannisbeeren noch heute als konsevierte Tränen angesehen werden können. Ein eindruckvolles Zeugnis des vererbten Traumas unter Frauen mehrerer Generationen!

Warum leiden Menschen, die nach 1945 geboren wurden, bis heute unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges? Psychologen können inzwischen die Mechanismen erklären. Immer mehr Kriegsenkel arbeiten als Kinder der Traumatisierten in Deutschland die Traumata der Eltern und Grosseltern auf.

Archetyp des Väterlichen

Der TV Sender 3SAT zeigt in der KW 35 2015 seine Themenwoche KRIEGSGESCHICHTEN. Am 24.8.2015 sendete er SÖHNE OHNE VÄTER um 22:25 Uhr. Söhne der 2. Generation geboren ca. 1920-1945 wurden hinsichtlich ihrer Erfahrungen zum Kriegstod ihres Vaters interviewt. Diese Väter der 1. Generation geboren ca. 1890-1915 waren im 2. Weltkrieg als Soldat, Flieger, Marineoffizier oder U-Bootkommanadant zu Tode gekommen. Die Lebenserfahrung der SÖHNE OHNE VÄTER lassen sich zusammenfassen:

– Die Männer vermissen ihre Väter noch 70 Jahre nach deren Tod in emotionalster Weise. Einige weinten über ihren Verlust.

– Sie glorifizieren und idealisieren ihre Heldenväter als Person und Hitlersoldat, die Grossartiges für Deutschland geleistet hatten. Die Anbetung ihrer verstorbenen Väter erfolgte mit Hausaltaren und gerahmten Fotos.

– Sie pauschalieren die Vaterlosigkeit im Nachkriegsdeutschland. Schauten jedoch eifersüchtig auf andere deutschen Familien mit Vätern. In den Folgejahrzehnten führte ihre Sehnsucht nach Väterlichkeit zu einer starken Symphatie gegenüber Männern der 1. Generation.

– Sie geben zu, dass sie bis heute nach ihren Vätern suchen und hoffen, dass dieser 2015 doch noch auftaucht. Dies taten sie auch aktiv bis ca. 1960 mit Hilfe der Spätheimkehrersuche.

– Die erwachsenen Söhne zeigen hohe Achtung vor ihren Müttern. Die starken Witwen hätten sich klaglos in ihre schwierige Rolle als Alleinerziehende eingefügt. Ihre Söhne wurden schon früh als Stellvertreter des Vaters in Verantwortung genommen und sollten das Leben des Vaters erfolgreich fortführen bzw. die Lücke der Rolle des Familienoberhauptes füllen. Die Mütter übten auf ihre Söhne Leistungsdruck oftmals auch mit imaginären Erkrankungen aus, einen guten Beruf aufzunehmen um die Mütter finanziell zu versorgen und ihrem Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden. SÖHNE SEID LEBENSLANG FÜR MICH DA UND MACHT GUT,WAS EUER TOTER VATER NICHT VOLLENDEN KONNTE! Aufgrund der Vereinnahmung der Mutter, Härte der egomanischen Mutter durch häusliche Gewalt sowie der Wohnungsenge der Nachkriegszeit entwickelten die Söhne ein starkes Freiheitsbedürfnis.

– Viele Mütter präsentierten ihren Söhnen im Nachkriegsdeutschland einen Stiefvater. Dieser konnte jedoch den Platz des eigenen Vaters im Herzen der Söhne nicht einnehmen. Diese sollten VATI sagen, konnten den Verlust des Vaters dadurch aber nicht kompensieren.

– Andere Mütter blieben den Rest ihres Lebens Witwe. Im Krieg waren sie oft nur 1 Jahr verheiratet und verbrachten die restlichen 69 Jahre allein.

– Die Söhne waren aufgrund der Domananz ihrer Mütter scheu gegenüber der Weiblichkeit. Kein Vater hatte sie über Sexualität oder Ehe aufgeklärt. Es gab keine Eltern, die ihnen eheliche Orientierung hätte geben können. Ein Lebensverlust war den Söhnen genug. Die Frauen sahen sie als Halbgöttinen. Jeder von ihnen erlebt jahrzehntelange Ehen ohne Scheidung. Ein Lebensverlust war genug. Trotzdem spielten die Mütter ihre Macht gegenüber den Schwiegertöchtern aus. In vielen Familien herrschte jahrelanger Krieg.

– Ein Kernthema für die SÖHNE OHNE VÄTER ist es, einen Sohn zu zeugen. Der Sohn als Erhalt des Männlichen. ICH WURDE GEBOREN, ALS MEIN VATER 30 JAHRE ALT WAR. MEIN SOHN WURDE GEBOREN, ALS ICH 30 JAHRE ALT WAR! Der 2. Generation ist es enorm wichtig, einen Sohn in der 3. Generation geboren zu haben. Gleichzeitig wissen die Väter aber nicht, was ein Vater zu tun hat, weil es ihr eigener toter Vater nicht vorleben konnte. Es herrscht eine väterliche Schwäche, hohe Unsicherheit, keinerlei emotionale Intimität und ein grosses Schweigen. Die massiv fordende Vaterrolle in den 60er und 70er Jahren konnte nicht ausgefüllt werden. Noch heute konstatieren diese Männer ein schmerzliches Empfinden, dass sie ihre Söhne nie in den Arm nehmen konnten.

– Im Alter bricht der jahrzehntelange Selbstschutz dieser Menschen in explosionastigen Emotionen zusammen. Dieser hatte zum Negieren aller Gefühle und einem unzugänglichen Schweigen geführt. Insbesondere am Todestag ihrer Väter! Sie erhoffen sich ein Wiedersehen nach ihrem Tode.

Mein Vater hat seinen Vater mit 9 Jahren in den letzten Kriegstagen verloren. Amerikanische Tiefflieger hatten ihn in ländlicher Umgebung erschossen, weil Hitler einige Kilometer entfernt die Wunderwaffe entwickelte. Sein einziger Sohn starb einen Tag nach der Geburt 1965. Mein Vater hat sein Schweigen nie gebrochen, seinen Schmerz nicht gezeigt und wurde 2005 dement. Jetzt verstehe ich, warum er im Leben Sucht nicht loslassen konnte und Lebensentscheidungen mit meiner narzisstischen Mutter traf, die unserer Familie nicht gut getan haben.  Jetzt verstehe ich, warum ich einen Mann geheiratet habe, dessen Vater sehr früh verstarb. Jetzt verstehe ich, wie unüberwindlich das vererbte Trauma in meiner Familie bis heute in die 4. Generation wirkt.

 

 

 

ZÄH WIE LEDER – HART WIE KRUPPSTAHL

Die Generation der 1920-1950 Geborenen hatte traumatische Kriegs- und Nachkriegserfahrungen durch Flucht, Hunger, Bombenterror oder Verlust von Familienmitgliedern. Viele sassen jahrelang mit täglichen Todesängsten im Luftschutzbunker, andere sind auf der Flucht vergewaltigt worden oder haben insbesondere im sowjetischen Militärsektor bis 1950 täglich mit Wahnvorstellungen von Brot hungern müssen. Den Kindern wurde von den wenig einfühlsamen Eltern kommuniziert: ANDERE HABEN ES IM KRIEG VIEL SCHLIMMER GEHABT! SEI FROH, DASS DU NOCH LEBST! VERGISS DAS ALLES! NIMM DICH NICHT SO WICHTIG! ZÄH WIE LEDER- HART WIE KRUPPSTAHL!

Im Alter leiden die damaligen Kriegskinder an chronischen Krankheiten wie Depression, Psychose, Schizophrenie, Alkoholsucht. Aber seltsamerweise können oder wollen sie sich nicht mehr an ihre Kindheitstraumatisierungen erinnern. Das schlechte Gedächtnis hängt damit zusammen, dass diese Menschen als Kind von ihrer Mutter aufgefordert wurden, das Erlebte zu vergessen. Der nachhaltige psychologische Einfluss der Mutter oder des Vaters ist dabei nicht zu unterschätzen.

Die Wahrnehmung von Traumata und das Erleiden einer posttraumatischen Belastungsstörung können nur von Ärzten, Psychologen und Psychosomatikern in ein klinisches Bild übersetzt werden, wenn die Betroffenen ihr Erlebtes verarbeiten wollen. Ist dies aber seit Kindheit im Unterbewusstsein eingemauert, ist eine Gesundung unmöglich und eine Demenz vorprogrammiert. Derart Betroffene verleugnen meist bis zum Tode ihren Traumazustand und entfremden sich im Prozess des vererbten Traumas ohne Therapie dadurch von ihrer Familie.

DEMENZTRAUMA

In Bayern häufen sich Anzeigen gegen Altenpfleger bei Gericht. Staatsanwälte sollen untersuchen, ob demente Pflegeheimbewohner von ihnen tätlich angegriffen worden sind. Für die Angehörigen eine Stressituation, da die Seniorenzentren als renitent eingestufte Senioren oft den Heimvertrag kündigen.

Ein Fall im bayerischen Miesbach macht Schlagzeilen und zeigt das deutsche Demenztrauma. Eine demente Seniorin Jahrgang 1942 erzählt mehrmals unter Tränen, sie sei von ihrem Pfleger tätlich angegriffen worden. Ihre Tochter Jahrgang 1968 beschwert sich bei der Heimleitung und erstattet Anzeige. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Heimleitung kündigt den Heimvertrag, weil sie die Seniorin als dauerhaft rabiat einstuft. Ein Scherbenhaufen für alle Beteiligten.

Würde das vererbte Trauma in diesen Fällen diskutiert, dann gäbe es eine andere Sichtweise. Vielleicht hat die Seniorin durch einen Trigger eine Erinnerung an ihre Kriegskindheit erlitten! Vielleicht hat sie ein traumatisches Kriegserlebnis, das jahrzehntelang verschwiegen und verleugnet wurde, eingeholt! Vielleicht verwechselte sie den Pfleger 2014 mit einem Gewalttäter 1945! Vielleicht wurde sie in die Situation ihrer Vergewaltigung 1946 zurückversetzt! Vielleicht reagierte sie rabiat, weil sie in der traumatischen Kindheitssituation im 2. Weltkrieg rasend auf einen Aggressor reagiert hat!

Würden Gerichte, Pflegeheime und Angehörige sich gemeinsam näher mit dem vererbten Trauma befassen, so könnte eine Lösung für alle Beteiligten im Rahmen einer WIN WIN SITUATION geschaffen! Schade, dass dies seit fast 75 Jahren in der deutschen Gesellschaft nicht möglich erscheint.

Traumamutter ertränkt

2013 hat ein 59 jähriger Münchner seine demente 85 jährige Mutter in der Badewanne ertränkt. Aufgrund ihrer traumatischen Kriegserlebnisse hatte diese unerträglich entwertend mit ihrem Einzelkind gelebt. Die 1929 Geborene setzte ihm seit früher Kindheit mit psychischer Gewalt zu. Als er noch ein zehn Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges geborenes Kleinkind war, sagte sie zu ihm ES WÄRE BESSER GEWESEN, ICH HÄTTE DICH IM BADEWASSER ERTRÄNKT! In Folge konnte der 1955 geborene Sohn beruflich nie Fuss fassen, war jahrzehntelang arbeitslos, er litt an schweren Depressionen. Nach dem Tod des Vaters pflegte er seine Traumamutter, da er finanziell von ihr abhängig war. Mit der täglichen Pflege war er jedoch masslos überfordert. Eines Tages konnte er ihre herrischen Erniedrigungen nicht mehr ertragen und tötete sie in der Badewanne, indem er seine Mutter ertränkte so wie sie es ihm als Kleinkind immer angedroht hatte. Wer sich mit vererbtem Trauma näher beschäftigt, dessen Symphatie liegt beim Sohn. Die 2. Kriegsgeneration hat ihr Trauma nie therapiert. Jahrelanges Schweigen zu traumatischen Kriegserlebnissen liessen manche Kriegsbetroffene narzisstisch werden, sodass ihre soziale Phobie sie immer mehr isolierte. Falls eine Kriegsvergewaltigung vorlag, so konnte ein Sohn im schlimmsten Fall den Hass der Mutter gegen den damaligen Vergewaltiger auf sich ziehen. Als Familiengeheimnis wäre eine Kriegsvergewaltigung jedoch nie thematisiert worden. Die Kriegsenkel der 3. Generation erlebten ein lebenslanges Martyrium mit solchen traumatisierten Eltern und haben oft nicht die Kraft, die familiären Bindungen zur eigenen Gesundung zu lösen oder die Pflegeverantwortung zu delegieren. Ein verdienter Tod? Jedenfalls ein gutes Drehbuch für einen TV Film VERERBTES TRAUMA rechtzeitig zum 70. Jahrestag zum Ende des 2. Weltkrieges am 8.Mai 2015!

ALZHEIMER Tag 21.9.2014

Wie viele deutsche Familien haben täglich mit dem Thema Alzheimer zu tun? Welche ihrer Angehörigen erkrankte aufgrund der hohen Kriegsbelastungen in der Kindheit? Um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen, findet ein jährlicher Alzheimer Tag mit vielfältigen Aktivitäten in Deutschland statt. Unter anderem gibt es Buchlesungen wie JÖRN KLARE ALS MEINE MUTTER IHRE KÜCHE NICHT MEHR FAND- VOM WERT DES LEBENS MIT DEMENZ. Das 2012 erschienene Buch schildert die Last einer deutschen Familie mit dieser Erkrankung. Aus Kriegserlebnissen heraus erkrankt die Frau an Demenz. Zuerst verlegt sie nur ihre Brille und kann sich ihren PIN Code bei der Bank nicht merken. Der Autor fragt, ob Erlebnisse erst dann etwas wert sind, wenn sich der Alzheimerpatient daran erinnert. Wie schnell verliert man seine Würde und sich selbst? Und liegt in der Aufarbeitung des durch Kriegserlebnisse belasteneten Lebens nicht auch ein Trost? Jörn Klare recherchiert bei seiner Mutter sowie Experten, Praktikern, Ärzten und Juristen, Philosophen und Altenpflegern. Mit ihnen spricht er über den Tod und das, was seit der Kindheit dazwischen liegt. Ein bewegendes Buch, in dem ein am vererbten Trauma Interessierter leben kann!

Innovation in der Demenzmedizin

Der Umgang mit Demenzkranken ist seit Jahren von Mutlosigkeit geprägt. In der aktuellen Tagung der Wissenschaften in Düsseldorf wird die Ethik der Behandlung dieser Patientengruppe thematisiert. Sicherheit und Kontrolle gingen nach wie vor zu Lasten von Autonomie und Lebensqualität. Am Beispiel einer schizophrenen Psychose 2014 werden Zustände geschildert, die an die siebziger Jahre erinnern. Diese stigmatisierten Patienten seien hoffnungslos, man könne nichts für sie tun, sie bekämen nicht mehr mit, was mit ihnen geschehe. Schwere Hospitalisierungsschäden waren insbesondere durch eine Tablettenmedikation die Folge. Unter Einbeziehung des vererbten Traumas können diese erkrankten Menschen in einem neuen Licht gesehen werden. Einige Demenzforscher plädieren deshalb für eine neue Form der Verwahrpsychatrie. Beim Schicksal der Demenzpatienten soll ein Perspektivenwechsel erfolgen. Es bestehe die Möglichkeit, das Fortschreiten von Demenzerkrankungen ohne Psychopharmaka, Neuroleptika und Fixierung um mindestens 5 Jahre zu verzögern, wenn man das vererbte Trauma der jeweiligen deutschen Familie entschlüsselt. Damit würde die Zahl der Erkrankten um die Hälfte reduziert. Ein positiver Hoffnungsschimmer!

Demenzbelastungen

Demente deutsche Senioren sind aufgrund ihrer Kriegstraumata für ihre Angehörigen oft ein Buch mit sieben Siegeln. Meist lässt sich kaum fixieren, ab wann sie sich merkwürdig verhalten. Es gibt einen ziemlich typischen Verlauf. Bevor die Angehörigen mit den Senioren zum Arzt gehen, vergehen meist eineinhalb Jahre. Im Verlauf setzt sich das merkwürdige Verhalten fort. Die Dementen stehen beispielsweise vor der Kaffeemaschine und wissen nicht mehr, wie das Gerat zu bedienen ist. Das Portemonnaie geht ständig verloren. Der Schlüssel ist überall, nur nicht dort, wo er sein soll. Irgendwann wird er an der Handtasche festgebunden und ist trotzdem weg. Demente verlieren auch die zeitliche Orientierung. Sie klingeln nachts um 3 Uhr bei ihren Angehörigen und denken es sei nachmittag und Kaffeezeit. Viele Angehörige bringen es nicht übers Herz, ihre Hausklingel abzuschalten und erleiden Dauerstress in der Pflege ihrer dementen Angehörigen. Menschen mit Demenz können Halluzinationen bekommen. Sie behaupten, in der Nacht hätte stundenlang jemand im Zimmer gestanden und sie beobachtet. Dabei haben sie panische Angst. Die Betroffenen in die Realität zu holen ist für die Angehörigen nicht möglich. DENK DOCH MAL NACH. NIEMAND HAT EINEN WEITEREN SCHLÜSSEL! ist für Demente nicht verständlich. Die Wahrheit ernst zu nehmen DAS IST ABER FURCHTBAR! ist der einzig gangbare Weg. Die Angehörigen wollen nicht wahrhaben, dass eine Alzheimer Erkrankung vorliegt und wollen die Person von früher zurück. Irgendwann steht die Entscheidung an, die demente Person einem Pflegeheim zu übergeben. Viele Senioren verweigern hier jedoch das Essen und wollen sterben.

Viele Deutsche glauben, dass die hohe Quantität an Dementen unsere Gesellschaft langfristig sozial zum Positiven verändern wird. Hilfsangebote wie Patenschaften von Kindergärten mit Altenheimen oder eine Optimierung von individuellen Pflegschaften werden bereits praktiziert. Filme und Spielsachen extra für Alzheimerpatienten sind im Vertrieb.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Wissenschaftler sind sich über die Vererbung von Genen bis in die 4. Nachkriegsgeneration einig. Der Nachwuchs von kriegstraumatisierten Familien  ist mit Übergewicht, schnellem Altern bzw. Demenz sowie Krebs belastet und hat mit gravierenden gesundheitlichen Problemen wie Depression, Diabetes oder Sucht zu kämpfen. Dabei erscheint es den Forschern nicht als relevant, ob das vererbte Trauma mütterlicherseits oder väterlicherseits entstand. Alle untersuchten Nachkommen zeigen von Geburt an eine veränderte Genexpression, der denen der Eltern glich. Die epigenetischen Effekte sind bei Vater und Mutter gleich. Es scheinen auch Eigenschaften vererbt zu werden, die sich nicht im Buchstabencode der DNA äussern. Dabei werden epigenetische Veränderungen durch die Lebensweise beeinflusst.

So zeigen die Nachkommen von Frauen, die während der Blockade durch die Wehrmacht im Winter 1944-1945 in den besetzten Gebieten Hollands schwanger waren, durch die Mangelernährung ihrer Mütter eine hohe Rate an verschiedenen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen. Die Neigung, daran zu erkranken, vererbte sich wissenschaftlich nachweislich bis in die 3. Generation weiter. Auch die Ernährung und suchtbasierte Lebensweise der Väter haben einen Einfluss auf die Folgenerationen. Im Fachmagazin FASEB (doi:10.1096-fi.13-244046) wurden die Ergebnisse der vererbten Trauma Forschung publiziert. Die Autorin Margaret Morris bestätigt mit ihrer Forschung, was seit längerem vermutet wurde. Mit den Ergebnissen wurde ein wesentlicher Schritt getan, um die Mechanismen des vererbten Traumas besser zu verstehen. Es müsse daran angeknüpft werden, um herauszufinden, wie Väter und Mütter der 2. und 3. Generation beeinflusst werden, um Schaden von ihrem Nachwuchs abzu halten.