Alkoholikerschatten

Mein Opa war auch Alkoholiker” – rechtfertigen sich manche Säufer! In Bayern sind schätzungsweise 500.000 Menschen alkoholabhängig. Hinter dieser Zahl steckt eine hohe Dunkelziffer. Viele deutsche Väter und Mütter, Kriegsenkel und Kriegskinder saufen. Söhne und Töchter von alkoholkranken Eltern erleben nachweislich Angst, Unsicherheit, Vernachlässigung und einen Mangel an Stabilität und Geborgenheit. Kindern aus Alkoholikerfamilien haben im Vergleich zu Gleichaltrigen ein sechsfach höheres Risiko, später selbst suchtkrank zu werden. Kinder müssen in die Elternrolle schlüpfen und Verantwortung für ihre Alkoholikereltern übernehmen. Diese Parentifizierung überlastet Kinder! Es ist immer wieder schrecklich, die mehrgenerationalen Alkoholkrankeiten im vererbten Trauma in deutschen Familien zu beobachten! Fast in jeder deutschen Familie ein Alkoholikerschatten, der besonders bei alkoholkranken Frauen multidemensionale Schattenwirkung auf ihre Kinder ausübt!

Spiegelberg

Mit dem seit Sommer 2016 neu erschienen Roman SPIEGELBERG begeistert ein weiteres Werk zum vererbten Trauma die deutsche Literaturlandschaft. In der Siedlung Spiegelberg hatten sieben Freunde der 60er und 70 er Jahre ihre Kindheit verbracht. Zwischen Gewalt, Zurückweisung und sprachlosen vom 2. Weltkrieg traumatisierten Eltern. Die Traumata der Generation der heute 50- 60 jährigen Babyboomer werden detailliert geschildert. Eine Generation, die sich im revolutionären Aufbruch wähnte, um sich dann doch mit dem Erwarteten zu begnügen. Eine bis heute tief verwundete Generation der Kriegsenkel, die niemals die stärkende Liebe ihrer Angehörigen fühlen durfte. Die in der unendlichen Suche nach dieser Liebe über ihrem gesundheitlichen Potenzial berufliche Leistungen erbringen, weil sie sich dadurch die Anerkennung ihrer Eltern erhoffen. Frauen, die ihre Weiblichkeit nicht leben, um den Sohn zu ersetzen, der niemals geboren werden konnte, jedoch den Verlust des Großvaters für den Vater ersetzen müssen.

Michael Göring, Jahrgang 1956 ist in Westfalen aufgewachsen. 2011 erschien sein Debütroman DER SEILTÄNZER. 2013 erfolgte der Roman VOR DER WAND. Der Autor leitet die gemeinnützige ZEIT Stiftung und unterrichtet im Fach Kulturmanagement aneiner Hochschule in Hamburg.

Archetyp des Väterlichen

Der TV Sender 3SAT zeigt in der KW 35 2015 seine Themenwoche KRIEGSGESCHICHTEN. Am 24.8.2015 sendete er SÖHNE OHNE VÄTER um 22:25 Uhr. Söhne der 2. Generation geboren ca. 1920-1945 wurden hinsichtlich ihrer Erfahrungen zum Kriegstod ihres Vaters interviewt. Diese Väter der 1. Generation geboren ca. 1890-1915 waren im 2. Weltkrieg als Soldat, Flieger, Marineoffizier oder U-Bootkommanadant zu Tode gekommen. Die Lebenserfahrung der SÖHNE OHNE VÄTER lassen sich zusammenfassen:

– Die Männer vermissen ihre Väter noch 70 Jahre nach deren Tod in emotionalster Weise. Einige weinten über ihren Verlust.

– Sie glorifizieren und idealisieren ihre Heldenväter als Person und Hitlersoldat, die Grossartiges für Deutschland geleistet hatten. Die Anbetung ihrer verstorbenen Väter erfolgte mit Hausaltaren und gerahmten Fotos.

– Sie pauschalieren die Vaterlosigkeit im Nachkriegsdeutschland. Schauten jedoch eifersüchtig auf andere deutschen Familien mit Vätern. In den Folgejahrzehnten führte ihre Sehnsucht nach Väterlichkeit zu einer starken Symphatie gegenüber Männern der 1. Generation.

– Sie geben zu, dass sie bis heute nach ihren Vätern suchen und hoffen, dass dieser 2015 doch noch auftaucht. Dies taten sie auch aktiv bis ca. 1960 mit Hilfe der Spätheimkehrersuche.

– Die erwachsenen Söhne zeigen hohe Achtung vor ihren Müttern. Die starken Witwen hätten sich klaglos in ihre schwierige Rolle als Alleinerziehende eingefügt. Ihre Söhne wurden schon früh als Stellvertreter des Vaters in Verantwortung genommen und sollten das Leben des Vaters erfolgreich fortführen bzw. die Lücke der Rolle des Familienoberhauptes füllen. Die Mütter übten auf ihre Söhne Leistungsdruck oftmals auch mit imaginären Erkrankungen aus, einen guten Beruf aufzunehmen um die Mütter finanziell zu versorgen und ihrem Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden. SÖHNE SEID LEBENSLANG FÜR MICH DA UND MACHT GUT,WAS EUER TOTER VATER NICHT VOLLENDEN KONNTE! Aufgrund der Vereinnahmung der Mutter, Härte der egomanischen Mutter durch häusliche Gewalt sowie der Wohnungsenge der Nachkriegszeit entwickelten die Söhne ein starkes Freiheitsbedürfnis.

– Viele Mütter präsentierten ihren Söhnen im Nachkriegsdeutschland einen Stiefvater. Dieser konnte jedoch den Platz des eigenen Vaters im Herzen der Söhne nicht einnehmen. Diese sollten VATI sagen, konnten den Verlust des Vaters dadurch aber nicht kompensieren.

– Andere Mütter blieben den Rest ihres Lebens Witwe. Im Krieg waren sie oft nur 1 Jahr verheiratet und verbrachten die restlichen 69 Jahre allein.

– Die Söhne waren aufgrund der Domananz ihrer Mütter scheu gegenüber der Weiblichkeit. Kein Vater hatte sie über Sexualität oder Ehe aufgeklärt. Es gab keine Eltern, die ihnen eheliche Orientierung hätte geben können. Ein Lebensverlust war den Söhnen genug. Die Frauen sahen sie als Halbgöttinen. Jeder von ihnen erlebt jahrzehntelange Ehen ohne Scheidung. Ein Lebensverlust war genug. Trotzdem spielten die Mütter ihre Macht gegenüber den Schwiegertöchtern aus. In vielen Familien herrschte jahrelanger Krieg.

– Ein Kernthema für die SÖHNE OHNE VÄTER ist es, einen Sohn zu zeugen. Der Sohn als Erhalt des Männlichen. ICH WURDE GEBOREN, ALS MEIN VATER 30 JAHRE ALT WAR. MEIN SOHN WURDE GEBOREN, ALS ICH 30 JAHRE ALT WAR! Der 2. Generation ist es enorm wichtig, einen Sohn in der 3. Generation geboren zu haben. Gleichzeitig wissen die Väter aber nicht, was ein Vater zu tun hat, weil es ihr eigener toter Vater nicht vorleben konnte. Es herrscht eine väterliche Schwäche, hohe Unsicherheit, keinerlei emotionale Intimität und ein grosses Schweigen. Die massiv fordende Vaterrolle in den 60er und 70er Jahren konnte nicht ausgefüllt werden. Noch heute konstatieren diese Männer ein schmerzliches Empfinden, dass sie ihre Söhne nie in den Arm nehmen konnten.

– Im Alter bricht der jahrzehntelange Selbstschutz dieser Menschen in explosionastigen Emotionen zusammen. Dieser hatte zum Negieren aller Gefühle und einem unzugänglichen Schweigen geführt. Insbesondere am Todestag ihrer Väter! Sie erhoffen sich ein Wiedersehen nach ihrem Tode.

Mein Vater hat seinen Vater mit 9 Jahren in den letzten Kriegstagen verloren. Amerikanische Tiefflieger hatten ihn in ländlicher Umgebung erschossen, weil Hitler einige Kilometer entfernt die Wunderwaffe entwickelte. Sein einziger Sohn starb einen Tag nach der Geburt 1965. Mein Vater hat sein Schweigen nie gebrochen, seinen Schmerz nicht gezeigt und wurde 2005 dement. Jetzt verstehe ich, warum er im Leben Sucht nicht loslassen konnte und Lebensentscheidungen mit meiner narzisstischen Mutter traf, die unserer Familie nicht gut getan haben.  Jetzt verstehe ich, warum ich einen Mann geheiratet habe, dessen Vater sehr früh verstarb. Jetzt verstehe ich, wie unüberwindlich das vererbte Trauma in meiner Familie bis heute in die 4. Generation wirkt.

 

 

 

Drei traumatisierte Eisheilige

Erst kürzlich offenbarte die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel DIE DREI EISHEILIGEN, wie affin die Mehrheit der Deutschen auf MACHT, STATUS und GELD reagieren. Sowohl beruflich als privat gehen viele über Leichen, um die drei Eisheiligen in ihrem persönlichen Leben verwirklichen zu können. Emotionale Ziele wie Achtsamkeit, Wertschätzung oder soziales Engagement oder Ehrenamt treten bei diesen narzisstischen Persönlichkeitseigenschaften weit ins Hintertreffen.

Forscher vermuten, dass vererbtes Trauma die drei Eisheiligen und ihre materielle Ausrichtung verursacht haben. Verlust von Eigentum auf der Flucht 1945, tiefe Familiengeheimnisse aus dem Naziregime, Angst im Bombenterror und Sucht beeinflussen das kopflose Streben nach Macht, Status und Geld in deutschen Familien. Aufgrund der Anforderungen in der Zukunft ist diese Entwicklung in unserer Gesellschaft sehr zu bedauern.

Abstammungstrauma

Die Macht der Abstammung prägt. Die im vererbten Trauma belastete Familie übt grossen Einfluss auf die Entwicklung der eigenen Verhaltensmuster aus. Vor allem der Umgang mit Geld, Gefühlen und Gewalt wird durch das Elternhaus entscheidend geprägt. Handelt es sich bei der Mutter um ein durch Flucht aus dem Sudetenland traumatisiertes Kriegskind, so ist es wahrscheinlich, dass sehr geizig mit Geld umgegangen wird, da auf der Flucht Verlust alles Materiellem erlitten wurde. Noch heute versucht sie mit Geld alles in ihrer Familie zu regeln. Manche ihrer Familienmitglied der 3. und 4. Generation sind käuflich und lassen sich instrumentalisieren. Gleichzeitig spricht diese Mutter nie über ihre Gefühle oder ist in der Lage, emotionale Wärme in ihre Familie zu tragen. ICH ZÄHLE BIS DREI haben ihre in den 60er Jahren geborenen Kinder tief verinnerlicht. War doch diese Drohung der Auftakt zu körperlicher Gewalt. Von der psychischen Gewalt ganz zu schweigen. In einer solchen deutschen Familie mit Traumatisierungen wie unzähligen Umzügen, häuslicher Gewalt und Alkohol- sowie Tablettensucht konnten die Kinder nur hilflos zusehen und den negativen Entwicklungen hilflos gegenüberstehen. Nur wenn sie die Erfahrung der SELBSTWIRKSAMKEIT machen, können sie aus dem Teufelskreis ihrer traumatisierten Mutter und dem vererbten Trauma entwachsen!

SS Auschwitz Mörder Gröning

70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges wurde ein 94 jähriges Mitglied der Waffen SS von einem deutschen Gericht verurteilt.

Für seine Tätigkeit als Buchhalter von Auschwitz erhielt er 4 Jahre Haft. OSKAR GRÖNING gab zu, dass er sich im KZ Auschwitz mitschuldig gemacht hatte: AUSCHWITZ IST EIN ORT, AN DEM MAN NICHT MITMACHEN DURFTE! Es handelt sich um den letzten Prozess gegen einen NS Täter auf deutschem Boden. Eine Schande für Deutschland, das 95% der Nazitäter niemals zur Rechenschaft gezogen hat. Das Auschwitz Trauma von Millionen Juden bis in die heutige 4. Generation bleibt ungesühnt!

Was bleibt

Die ARD sendete am 8. Juli 2015 um 20:15 Uhr das TV Drama WAS BLEIBT. In beeindruckender Weise wurden die schwelenden Konflikte während eines Familientreffens aufgezeigt. Ein Ehepaar lädt über das Wochenende ihre beiden erwachsenen Söhne ein, doch die Illusion einer glücklichen Familie zerplatzt. Im Zentrum des Spielsfilms steht die 59 jährige Mutter genial gespielt durch C. HARFOUCH. Sie ist seit Jahrzehnten an einer schweren Depression erkrankt. Die Söhne haben von Kindheit an gelernt, ihre kranke Mutter zu schonen, ihre Probleme von ihr fern zu halten und eigene Verantwortung zu übernehmen. Nach dreissig Jahre mit dieser Krankheit erzwingt die Mutter einen Neuanfang, indem sie ihre Tabletten abgesetzt hat. Der Ehemann hatte eine Wochenendehe geführt, bis er vor zwei Jahren eine Freundin genommen hatte. Die Kommunikation in dieser deutschen Familie ist tot. Jeder hat seine eigenen Geheimnisse. Die depressive Mutter hat die psychologische Macht über Söhne und Ehemann. Diese sind permanent ängstlich etwas zu tun, was die Mutter kränker macht. Diese spielt mit ihren Familienangehörigen bis sie sich am Ende selbst umbringt. Danach fliessen die Familienenergien wieder positiv: Der älteste Sohn kann sich wieder mit der Mutter seines kleinen Kindes Zowie versöhnen und sein Leben in Ordnung bringen, der zweite alkoholkranke Sohn schafft es, eine neue erfolgreichere Praxis als Zahnarzt in Schweden zu eröffnen, der Ehemann macht nach Jahren der Belastungen in seiner Ehe eine Reise mit seiner Freundin nach Jordanien.

WIR SIND GEFANGENE DESSEN, WAS DIE MUTTER MIT UNS GEMACHT HAT! In Familien mit vererbtem Trauma bzw. einer schweren Depressionserkrankung können die Angehörigen sich nicht vor negativen Familienprozessen schützen und erst gesunden, wenn das kranke Familienmitglied aus dem Familienverbund ausgeschieden ist. Ein Dank an die ARD und den Regisseur HANS-CHRISTIAN SCHMID, die diesen Aufklärungsfilm möglich gemacht haben.

Depressionsgeneration

Nach Meinung vieler Forscher liegt die Ursache von Depressionen in Deutschland darin, dass Betroffene in der Kindheit Verluste erlitten haben. Keine der psychischen Krankheiten lässt sich besser transgenerational vererben wie die Depression. Erlitt ein Familienmitglied im 2. Weltkrieg einen Bindungsverlust durch Tod seines Vaters als Wehrmachtsoffizier oder der Mutter bei der Vertreibung aus den Ostgebieten, so kann 70 Jahre später eine chronische Depressionsneigung in dieser Familie vorliegen. Wer auf etwas verzichten muss, das ihm wichtig ist, verliert einen positven Verstärker im Leben und zieht sich aus erlernter Hilflosigkeit im Leben zurück. Kinder, die ein Symbiosetrauma erleiden, entwickeln negative Gedanken über sich und ihre Welt. Später geben sie sich als Depressive meist selbst die Schuld daran, wenn ihnen etwas Schlechtes widerfährt. Erfolg empfinden sie nicht als eigenen Verdienst. Deutsche Familien die durch ein depressives vererbtes Trauma mehrgenerational belastet sind, gelangen in psychosozialen Stresssituationen wie Scheidung, Kündigung, Krankheit immer wieder in den Teufelskreis der Depression. Wenn belastende Erfahrungen durch einen drohenden oder tatsächlichen Verlust reaktiviert werden, erleben die Betroffen eine dauerhaft undiffernziert negative Stimmungslage. Manche Depressive verlassen nicht einmal mehr ihr Bett, bei anderen Depressiven fällt die Erkrankung nicht auf. Mehr als drei Viertel entwickeln eine weitere psychische Störung wie Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeit bzw. Angststörungen. Jeder zweite Patient hat Selbstmordgedanken und mindestens die Hälfte der Suizide geht auf eine Depression zurück. Welch belastete deutsche Depressionsgeneration!

Verlorene traumatisierte Kinder

Im Jahr 2015 häufen sich die Fälle von Sorgerechtsentzug, die sich bereits 2014 überdurchschnittlich gesteigert hatten. Handelt es sich hier um ein vererbtes Trauma? Hat sich die emotionale und physische Vernachlässigung von Kindern seit Ende des 2. Weltkrieges bzw. der Nachkriegsära über Generationen hinweg vererbt? Erleben einige deutsche Familien 2015, dass ihnen das Kind weggenommen wird, weil ein Kindesverlust 1945 in dieser Familie zu verzeichnen war? Hätten viele Kriegsenkel bereits in den 50er und 60er Jahre aus ihren traumatisierten Familien herausgenommen werden müssen? Wenn Kinder über Jahre einer stressvollen Situation im Elternhaus ausgesetzt werden, dann reagiert die Seele im Erwachsenenalter und bis zum Lebensende darauf. Der Körper entwickelt heftige Symptome wie Schlafstörungen, Ängste, Dauerschmerzen. Viele Eltern wundern sich 2015, dass ihr Kind nicht wächst und zurück bleibt. Aber sie führen diese Entwicklung nicht auf vererbte Traumatisierungen in ihrer Ursprungsfamilie zurück. Seit den Kriegsjahren traumatisierte Familien feiern fromm und ergeben regelmässig Familienfeste, obwohl sie durch ihre Eltern und Grosseltern Gewalterfahrungen gemacht haben und eine Pathologische Bindung an die Täter entwickelten. Keiner spricht davon, dass sie sich als Kind mit einem Sorgerechtsentzug besser entwickelt hätten. Familiengeheimnisse werden unter den Tisch gekehrt. Andere sind bei alkoholkranken und schizophrenen Elternteilen aufgewachsen und mussten als Kinder Verantwortung für Vater und Mutter übernehmen. In einer Form der Bindungsstörung mussten sie die Mutter vor dem gewaltbereiten Vater schützen und wundern sich 2015 warum sie seit Jahrzehnten keine harmonische Partnerschaft leben können. Wer spricht über die täglichen Gefährdungen des Kindeswohls der Kriegsenkel? Warum sieht niemand den direkten Zusammenhang zur Gefährdung des Kindeswohls ihrer Kinder in 2015? In den 50er und 60er Jahren wurden die Kinder durch ihre kriegstraumatisierten Eltern emotional vernachlässigt ohne nach aussen blauen Flecke oder Verwahrlosung gezeigt zu haben. Diese Traumatisierungen des Gehirns  sind in 2015 im Erwachsenenalter jedoch deutlich zu spüren. Es fällt ihnen ein Leben lang schwer, befriedigende Beziehungen zu finden. Wählen sie doch stets das Ehemuster ihrer Eltern: Psychopath verheiratet mit Alkoholiker, Narzisst verheiratet mit Depressionsbetroffenem, Tabletten- und Tabaksüchtiger verheiratet mit Schizophrenem, Fremdgeher verheiratet mit Psychotiker, etc. Wann ist ein heilsames Ende des vererbten Traumas in deutschen Familien möglich?

Vergessene Kinder traumatisierter Suchtfamilien

Ich stamme aus einer mehrgenerationalen Suchtfamilie. Es hat sich seit Kindheit alles um meinen suchtkranken Vater und meine suchtkranke Mutter gedreht. Von meinen alkoholkranken Omas und Opas ganz zu Schweigen. Ich erlebte Traumata, weil der Vater wieder den Führerschein wegen seiner vielen Alkoholfahrten entzogen hatte und das Geld aufgrund seiner Arbeitslosigkeit knapp war. Die Tablettensucht meiner Mutter brachte sie in meiner Jugend häufig in die Nervenklinik. Zu Hause hatte ich im Alter von 12-14 Jahren während ihrer monatelangen Abwesenheiten die Verantwortung für Haushalt, meine kleine Schwester und meine Schule. Diese dysfunktionale Familienstrukturen prägten schon früh meine Coabhängigkeit, die mich bis heute im Alter von 55 Jahren nicht loslässt. Der Preis ist hoch: kein Ehepartner ist suchtfrei, jeder Mann mit Alkoholkrankheit zieht mich magnetisch an.

Die Deutschen der 3. Generation geboren 1950-1970 sind vergessene Kinder. Vergessen deshalb, weil sie gut funktionieren und beruflich erfolgreich sind. Sie leiden an Isolation, Leere, Heimatlosigkeit, Entwertung und Wertverschiebung, Täuschung und Selbstbetrug, Verstrickung, Schuld, Verlustangst, Gefühllosigkeit und Sehnsucht. Es handelt sich um die Kriegsenkel des 2. Weltkrieges. Die vergessenen Kinder tragen die Kriegserfahrungen ihrer Eltern und Grosseltern wie Flucht, Heimatverlust, Vertreibung, Gewalt und Tod unbewusst in sich. Sie sind mit suchtkranken Kriegskindern aufgewachsen, die als ihre Eltern grossen Einfluss auf ihre Traumatisierungen hatten und haben. Diese transgenerative Traumaweitergabe hat bei den Deutschen der 3. Generation zu extremer Leistungsorientierung bis zum Burnout geführt, geringem Selbstwertgefühl, übermässiger Anpassung und Identifikation, Konfliktscheue, Schweigen und Depression geführt. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen: Mütterliche und väterliche Liebe und Zuwendung hätte die Krankheitsneigung und Stressempfindlichkeit meiner Generation der Kriegsenkel vermindert. Ein Beispiel von vererbtem Trauma!